<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Ingrid Fischer-Schreiber &#187; Internet</title>
	<atom:link href="http://yingeli.net/tag/internet/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://yingeli.net</link>
	<description>freelance translator. freelance project  manager, organisator. likes to build bridges. interested in China, Chinese (digital) culture, social media, translation &#38; more.</description>
	<lastBuildDate>Sun, 22 Jan 2012 08:32:03 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.4</generator>
		<item>
		<title>Hu Yong: Drei Trends im chinesischen Internet 2011</title>
		<link>http://yingeli.net/2012/01/hu-yong-drei-trends-im-chinesischen-internet-2011/</link>
		<comments>http://yingeli.net/2012/01/hu-yong-drei-trends-im-chinesischen-internet-2011/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 08:20:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yingeli</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Governance]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://yingeli.net/?p=2076</guid>
		<description><![CDATA[Wenn man das chinesische Internet des Jahres 2011 betrachtet, so kann man drei wesentliche Trends feststellen. Der erste Trend zeigte sich darin, dass weniger emotional-nationalistische Inhalte, sondern verstärkt Fragen des öffentlichen Wohlergehens diskutiert wurden. Der zweite Trend war die Zunahme dessen, was wir die „gesellschaftliche Macht des Internet“ nennen könnten. Und der dritte Trend bestand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man das chinesische Internet des Jahres 2011 betrachtet, so kann man drei wesentliche Trends feststellen. Der erste Trend zeigte sich darin, dass weniger emotional-nationalistische Inhalte, sondern verstärkt Fragen des öffentlichen Wohlergehens diskutiert wurden. Der zweite Trend war die Zunahme dessen, was wir die „gesellschaftliche Macht des Internet“ nennen könnten. Und der dritte Trend bestand darin, dass die Regierung noch unsicherer wurde, welche Rolle sie in einer vernetzten Gesellschaft einnehmen sollte. Während sich in China inzwischen eine vernetzte Zivilgesellschaft herausgebildet hat, gibt es nach wie vor kaum Regierungsmitglieder, die Internet-gebildet sind (网络化的治理者).</p>
<p><span id="more-2076"></span></p>
<h3>Abkehr vom Online-Nationalismus</h3>
<p>Der Nationalismus war seit jeher ein bestimmendes Element im chinesischen Internet. Zum Beispiel meint Peng Lan (彭兰), Professor an der People&#8217;s University of China, dass ein herausragendes Ereignis, das das Aufkommen einer gesellschaftlich relevanten öffentlichen Meinung im chinesischen Internet markiert, der Internet-basierte Widerstand der internationalen chinesischen Community (inklusive Mainland-China) gegen Angriffe auf ethnische Chinesen während der Aufstände in Indonesien im Mai 1998 war.</p>
<p>Die Wochenzeitung „Southern Weekly“ veröffentlichte am 5. Juni 2003 einen von Lin Chufang (林楚方) und Zhao Ling (赵凌) verfassten Artikel mit dem Titel „Ruhm und Verheißung der öffentlichen Online-Meinung“ (网上舆论的光荣与梦想), in dem die Autoren argumentieren: „Ein symbolisches Datum für die Artikulierung der öffentlichen Meinung über eine Web-Plattform war der 9. Mai 1999, als People&#8217;s Daily Online ein Forum eröffnete, das als Sammelbecken für die Gegner der Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad durch NATO-Kräfte fungierte. Dies war das erste News-Forum, das von einem traditionellen Media-Outlet geöffnet wurde“.</p>
<p>Nationalistische Gefühle waren schon früh ein Dauerbrenner im chinesischen Internet. Fragen wie die chinesisch-amerikanischen, die chinesisch-japanischen Beziehungen oder die Taiwan-Frage hatten dort schon immer zu hitzigen Debatten geführt, ja, in manchen Fällen sogar zu Massenaktivitäten offline. Dieses Phänomen erregte auch die Aufmerksamkeit vieler ausländischer Beobachter. Der Economist diskutierte dieses Thema im Juli 2008 unter dem Titel „<a href="http://www.google.ch/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=cyber-nationalism%20-%20the%20brave%20new%20world%20of%20e-hatred&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CC4QFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.economist.com%2Fnode%2F11792535&amp;ei=CccbT5KfHqiB4AT696nuDQ&amp;usg=AFQjCNHiilSU0SrrqfuR7FJrr-72hW56Dg&amp;sig2=6Rt6pw9Ck2FMt0pB69c81A">Cyber-nationalism &#8211; The brave new world of e-hatred</a>“.</p>
<p>Dieser Trend fand seinen Höhepunkt anlässlich der Aufstände in Tibet im März 2008 und der Blockade der internationalen Fackelübergabe für die Olympischen Spiele in Beijing, was zu einer bedauerlichen Verschlechterungen der Beziehungen zwischen China und dem Westen führte. Man befürchtete, dass China dadurch tiefer in die Selbstisolation rutschen und sich der Hass auf alles Nicht-Chinesische verstärken würde. Dieser Isolationismus war in der Vergangenheit für den Verfall des Landes verantwortlich – und nach der gleichen Logik könnte China, wenn der Westen weiterhin seine feindliche Haltung gegenüber Chinas Aufschwung beibehielt, wieder wie früher in die Isolation und einen Abschwung verfallen.<br />
Die erfolgreiche Abhaltung der Olympischen Spiele 2008 in Beijing war ein symbolischer Moment für den Aufschwung Chinas und ein Moment großen Stolzes für alle Chinesen. So wie man die Olympischen Spiel 1964 in Tokio als Auslöser für die rasche wirtschaftliche Entwicklung Japans und die Spiele 1988 in Südkorea als Wendepunkt für die  zeitgenössischen Kultur Koreas sah, so hegten auch die Chinesen die Hoffnung, dass die Spiele in Beijing das Schicksal Chinas als Großmacht wenden würde. Aber unmittelbar nach dem Ende der Spiele kam es zu einem Skandal, der auf das Image „Made in China“, ja, die gesamte chinesische Gesellschaft einen massiven Einfluss hatte: die Verseuchung chinesischer Milchprodukte durch Melamin. Dadurch wurde den Chinesen schlagartig bewusst, dass äußerer Glanz und Glorie den inneren Verfall nicht zu übertünchen vermag. Das Gefühl der Ohnmacht, das sich damals in China breitmachte, beschreibt ein chinesischer Internet-User in diesen Zeilen:</p>
<p><em>Wir rackern uns ein halbes Jahr ab, um endlich ein neues Kapitel aufzuschlagen,<br />
Und werden dann in einer einzigen Nacht zurück ins prä-olympische Zeitalter katapultiert.</em></p>
<p>Seit damals mischt sich in das Vertrauen in den Aufschwung Chinas bei den Chinesen auch immer ein Gefühl der Trauer und Verletztheit. Kaum hatte Shanghai 2010 erfolgreich die EXPO abgehalten, brach in der Jiaozhou Road das verheerende Feuer aus, bei dem 58 Menschen starben und unzählige verletzt wurden und das das ganze Land in eine Schockzustand versetzte. Und gerade als das „Chinesische Modell“ in den Augen vieler seinen Zenith erreichte, ja, von anderen Ländern sogar imitiert wurde, zerstörte das Hochgeschwindigkeitszugsunglück im Sommer 2011 nun endgültig jede Illusion, und die Menschen begannen sich zu fragen, ob so ein „Modell“ überhaupt exisitierte.</p>
<p>In den Online-Foren ging es damals turbulent zu, und ein User drückte die Stimmung sehr treffend aus: „China, bitte verlangsame dein rasantes Tempo, warte auf dein Volk, warte auf deine Seele, warte auf deine Moral, warte auf dein Gewissen! Lass keine Züge zusammenstoßen, lass keine Brücken einstürzen. Lass  unsre Straßen und unsere Häuser nicht zu Todesfallen werden. Geh ein bisschen langsamer. Verleih jedem Leben Freiheit und Würde, sodass niemand Opfer der &#8216;Zeit&#8217; wird und jeder einzelne ohne Hindernisse sein Ziel erreichen kann.“</p>
<p>Der Ruf nach mehr nationalistischer Gesinnung ist aber nach wie vor ungebrochen, und viele Menschen wünschen sich ein stärkeres, aktiveres China. Aber seit 2008 machen diese nationalistischen Gefühle im chinesischen Internet langsam Themen Platz, die das Wohlergehen der Menschen in den Mittelpunkt stellen. Im Zuge der Verschärfung der sozialen Spannungen ist es nicht mehr denkbar, dass das Internet vollkommen von nationalistischen Themen dominiert wird. Mit anderen Worten: Die Chinesen schenken nun der gesellschaftlichen Entwicklung, die unmittelbaren Bezug zu ihrem eigenen Leben hat, größere Aufmerksamkeit. Vor dem Jahrestag der japanischen Invasion in China im Jahr 2010 war die Stimmung auf Sina Weibo, einer der wichtigsten chinesischen Social-Media-Plattformen, extrem angespannt. Der Chefredakteur von Sina Weibo, Chen Tong, brachte in seinem persönlichen Mikroblog die Hoffnung zum Ausdruck, dass die User mit Sina Weibo „Erbarmen“ hätten, denn da alle Microblogging-Plattformen Beta-Versionen sind, wäre es für die Regierung eine Angelegenheit von Sekunden, sie zu schließen. Letzten Endes hat das einst so heikle Datum des „18. September“ auf Sino Weibo keine großen Wellen geschlagen. Stattdessen kreisten die hitzigsten Diskussionen um einen Fall von Selbstverbrennung in Yihuang in der Provinz Jiangxi, ein Fall, der die Zwangsräumungen und die mangelnde Wahrung der Rechte der Bürger anprangerte. Medienmenschen meinten prompt, „dies sei der bedeutendste Tag für Sina Weibo seit seinem Launch“.</p>
<p>Der Wind dreht sich. Wenn es keine Milch gibt, die Kinder guten Gewissens trinken können, wenn sie nicht beruhigt mit dem Schulbus fahren können, wenn man fürchten muss, giftiges wiederverwertetes Öl serviert zu bekommen, wenn man außer Haus isst, wenn die eigene Stadt im Smog versinkt und man keine Ahnung hat, was der wirkliche PM2.5-Wert ist, dann ist die brennendste Frage, welche Richtung die chinesische Gesellschaft nehmen wird und wie das chinesische Volk glücklich werden kann, und nicht die mörderische Logik des Boxer-Aufstandes.</p>
<h3>Die soziale Macht der Online-Medien</h3>
<p>Der zweite Trend des Jahres 2011 war die Herausbildung dessen, was wir die „soziale Kraft der Online-Medien“ 网络社会力) nennen könnten. Die Soziologen meinen, die „gesellschaftliche Produktion“ stelle eine der grundlegenden Fragen bei der Transformation der chinesischen Gesellschaft dar. In diesem Zusammenhang haben Wissenschaftler seit den 1970er Jahren von der Notwendigkeit gesprochen, NGOs zu entwickeln, sich von den auf alten Arbeitseinheiten basierenden urbanen Communities zu verabschieden und transformationsbedingt neue kollektive Aktionsformen in Stadt und Land zu entwickeln, um ein neues Entwicklungsmodell für China zu finden. Heute können wir zweifelsfrei feststellen, dass sich im chinesischen Internet eine unabhängige, stark partizipatorisch und Protest-orientierte Zivilgesellschaft sich herausbildet. Das Internet erfüllt in China eine ganz andere politische Funktion als in Ländern, die über relativ große politische Freiheiten verfügen. Es kann keine dramatischen Veränderungen im politischen Leben Chinas bewirken, aber es kann die Anhäufung eines modernen Sozialkapitals auf der Basis von Bürgerrechten und -pflichten fördern und vom Staat unabhängige gesellschaftliche Kräfte entstehen lassen.</p>
<p>Im Moment beginnt China eine Ära der „Rechte“. Bauern, Arbeiter und die sich gerade herausbildende Mittelklasse kämpfen für ihre bürgerlichen Rechte. Seit etlichen „wichtigen Zäsuren, ja, sogar Kehrtwendungen“ (Sun Liping) in den 1990er Jahren kam es zu einer deutlichen Zunahme von sozialen Konflikten in China, sowohl was die Frequenz als auch das Ausmaß betrifft. Wissenschaftler haben beobachtet, dass wahrscheinlich eines der offensichtlichsten neuen Merkmale dieser sozialen Unruhen die Nutzung von avancierten elektronischen Technologien ist, die die Protestierenden befähigen, sich schneller zu verbinden, mit Medien und Unterstützern in der internationalen Gemeinschaft zu kommunizieren und die Probleme an die Öffentlichkeit zu bringen. Dank dieser Technologien entstehen neue Formen von gesellschaftliche Beziehungen und Bindungen, und neue Interessensverbindungen nehmen Gestalt an. Eine direkte Auswirkung ist, dass die mobilisierende Kraft innerhalb dieser sozialen Bewegungen ebenfalls zugenommen hat. Der jüngste Zwischenfall in Wukan in der Provinz Guangdong ist ein sehr gutes Bespiel für diesen Trend.</p>
<p>Der Kampf der Chinesen um ihre bürgerlichen Rechte ist natürlich aufs Engste mit dem Kampf um ihr Recht auf Information verknüpft. Im weitesten Sinn des Wortes ist mit „Recht auf Information“ gemeint, dass sich die Menschen frei und ohne Angst austauschen, verbinden, versammeln und koordinieren können. Dieses Recht ist in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in den Verfassungen verschiedener Staaten garantiert, die alle das Recht auf Information bekräftigen. In Artikel 19 der Menschenrechtserklärung heißt es: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“</p>
<p>International hat sich bereits ein Konsens betreffend der grundlegende Rechte im Internet herausgebildet, der sich in den zentralen Ziele und Prinzipien ausdrückt, die den für das öffentliche Wohl so wesentlichen Access zu öffentlichen Netzwerken und deren Nutzung definieren. Zum Beispiel zählt dazu die Freiheit des Zugangs und die Freiheit, Informationen zu verbreiten (发布自由). Diese Freiheiten bedeuten auch, dass jeder Mensch, der sich ins öffentliche Internet einklinken will, die Möglichkeit hat, dies über verschiedene Plattformen zu tun, egal, ob er kabelgebunden, kabellos oder per Satellit. Gleichzeitig verfolgt das Internet schon seit Anfang an das Prinzip der Nichtdiskrimination, d. h. dass das öffentliche Netze ein offener Kanal für jegliche Art von Inhalten sein sollte, egal, ob es sich um per Telefon übertragene Sprache oder über Netzwerke übertragene Daten handelt. Es respektiert auch das Prinzip der Zulassungsfreiheit, d. h. dass die Dienstleistung eines jeden Providers von jedem genossen werden kann.</p>
<p>Dennoch ist die Vorstellung der Internetrechte im politischen Kontext am stärksten ausgeprägtest. Im politischen Kontext wird das Recht aufs Netz als Teil der Menschenrechte angesehen: Jene, die diesen Standpunkt vertreten, meinen, Menschenrechte und Freiheit, wie sie in der Offline-Welt gelten, sollten ihr Äquivalent im Internet haben: „Das Internet ist ein Netzwerk, das die Funktionen und Potenziale aller anderen Netzwerke verstärkt, daher glauben wir, dass es von essenzieller Wichtigkeit ist, dass die User dort einige grundlegende Freiheiten genießen müssen. Die wichtigste ist das Recht auf freie Meinungsäußerung.“ In einem anderen politischen Kontext richtet sich die Governance des Netzes nach der Logik „Sicherheit hat Vorrang“: „Der freie Fluss der Information im Internet und und der sichere Fluss von Information sind voneinander abhängige Entitäten: Unter der Prämisse der Wahrung des sicheren Flusses von Information im Internet sollte die der freie Fluss von Information verwirklicht werden.“</p>
<h3>Der Regierung fehlt das vernetzte Denken</h3>
<p>Dies führt uns zum meiner Ansicht nach dritten Trend im chinesischen Internet: In China existiert bereits eine vernetzte Zivilgesellschaft, aber es fehlt uns ein vernetzte Führung, das heißt eine Regierung, die das Internet versteht und ihm auch Rechnung trägt. Weil das Internet seinem Wesen nach Wissen und Wert über den Enduser und nicht über zentralisierte Gatekeeper generiert, ist das Recht auf Zugang zu und Verbreitung von Information zu einem hohen Maß in die Architektur des Internet eingebaut. Aus diesem Grund sollten Richtlinien für eine Internet-Governance denselben Prinzipien gehorchen: Förderung des Wettbewerbs, Förderung von Innovation, Ermöglichung freier Meinungsäußerung, Erhöhen der Credibility, minimale Einmischung der Regierung.</p>
<p>Es ist sehr bedauerlich, das die aktuelle Regulierung des Internet in China gegen genau diese Prinzipien verstößt. Wenn das chinesische Internet sich weiterentwickeln soll, müssen Regierung und Internet-User gemeinsam und in beidseitigem Interesse Prinzipien für die Nutzung und Entwicklung des Internet festlegen. Für die Regierung muss klar sein, dass die User nicht nur Ziel von Überwachung, sondern auch von Dienstleistung sind, ja, es muss sich die Haltung durchsetzen, dass die Regierung ein Dienstleister ist. Eine Regierung, die das Internet mit einer totalitären Haltung behandelt, bringt einen Internet-Mob (暴民型网民) hervor, während eine Regierung, die den Dienstleistungsgedanken in den Vordergrund stellt, verantwortungsvolle Internet-User hervorbringt. Was die Regierung betrifft, so verlangt der Aufbau einer Netzwerk-Gesellschaft also zuallererst eine Veränderung im Denken hinsichtlich Regierungsführung: eine Abkehr von einer totalitären (全能政府) hin zu einer service-orientierten Regierungsführung (服务型政府).</p>
<p>Bei einem derartigen Regierungsansatz sollten Internet-bezogene Probleme in der Reihenfolge „Internet-user – Markt – Gesellschaft – Regierung“ gelöst werden. Das heißt: Probleme, die die User selbst lösen können, sollten auch von den Usern selbst gelöst werden; Probleme, die die User nicht selbst lösen können, die aber vom Markt gelöst werden können, sollten vom Markt gelöst werden; Probleme, die der Markt nicht lösen kann, die aber die Gesellschaft lösen kann, sollten von der Gesellschaft gelöst werden. Nur wenn Probleme auch von der Gesellschaft nicht gelöst werden können, sollte die Regierung eingreifen. Wenn von serviceorientierter Regierung die Rede ist, bedeutet das nicht, dass jede Kontrolle eliminiert wird, sondern dass Kontrolle nur dem Service dient und nicht Selbstzweck wird. Eine derartige Kontrolle ist vom Gesetz definierten Beschränkungen unterworfen, verfügt über einen klar definierten Umfang und Prozeduren sowie über ein klares System von Verantwortlichkeiten.</p>
<p>Wenn Menschen nicht in die Formulierung dieses Regelwerkes eingebunden sind, verlieren diese Regeln ihre Akzeptanz und Glaubwürdigkeit, mit der Folge, dass Stabilität nur schwer zu erreichen ist. Dieses Prinzip gilt online wie offline. In einer Umgebung, die so komplex, dynamisch und divers ist wie in China, kann die Regierung schwerlich der einzige Akteur der Public Governance (公共治理者) sein.</p>
<p>Die Regierung muss sich mit NGOs, Communities und Bürgern abstimmen, um die öffentlichen Angelegenheit besser handhaben zu können; sie müsste eine Vergesellschaftung und „Kommerzialisierung“ der öffentlichen Verwaltung betreiben. Würden die Internetuser als Dienstleistungsempfänger angesehen, würde das eine grundlegende Veränderung in der Rolle der Regierung bedeuten. Die Regierungsstellen müssen die vielfältigen, individuellen Bedürfnisse der User verantwortungsvoll befriedigen und von den verschiedenen Interessensgruppen verlangen, unter Berücksichtigung unterschiedlicher Auffassungen und Akzeptanz der Existenzberechtigung des anderen einen „Überlappungs-Konsens“ zu finden sowie Trial und Error erlauben. Um dieses Ziel zu erreichen, muss eine Haltung der Toleranz, des Aufeinandereingehens, des Dialog und der Kommunikation entwickelt werden.</p>
<p>Will man die 500 Millionen Internet-User in den Prozess der Internet-Governance einbeziehen, müssen zuallererst die grundlegenden Rechte der Internet-User respektiert werden. Eine solche Verlagerung würde einen gewalten Gewinn für China bedeutete: Die Internet-User ähneln in gewisser Weise den Bauern von vor dreißig Jahren oder den Betrieben in den Kreisstädten und Dörfern von vor zwanzig Jahren: Es könnten unangeahnte produktive Kräfte außerhalb des staatlichen Systems (非体制的力量) freigesetzt werden.</p>
<p>Aus dem Chinesischen von Ingrid Fischer-Schreiber.</p>
<p>Originaltext: <a href="http://view.news.qq.com/a/20120113/000037.htm">http://view.news.qq.com/a/20120113/000037.htm</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://yingeli.net/2012/01/hu-yong-drei-trends-im-chinesischen-internet-2011/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>CNNIC: Neue Statistik-Plattform</title>
		<link>http://yingeli.net/2012/01/cnnic-neue-statistik-plattform/</link>
		<comments>http://yingeli.net/2012/01/cnnic-neue-statistik-plattform/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 17 Jan 2012 04:19:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yingeli</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://yingeli.net/?p=2048</guid>
		<description><![CDATA[Das CNNIC (China Internet Network Information Center) hat eine neue &#8220;offene Sharing&#8221;-Plattform (Eigendefinition) gelauncht, die der Internet-Industrie statische Daten über die Internetnutzung und das Userverhalten zur Verfügung stellt. Eine ausgewählte Usergruppe wird in Echtzeit gemonitort und die so gewonnenen Daten werden zugänglich gemacht. Die URL der Plattform: 互联网数据.中国]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das CNNIC (China Internet Network Information Center) hat eine neue &#8220;offene Sharing&#8221;-Plattform (Eigendefinition) gelauncht, die der Internet-Industrie statische Daten über die Internetnutzung und das Userverhalten zur Verfügung stellt. Eine ausgewählte Usergruppe wird in Echtzeit gemonitort und die so gewonnenen Daten werden zugänglich gemacht. Die URL der Plattform: <a href="http://xn--blq712cbobew3c8bb.xn--fiqs8s/">互联网数据.中国 </a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://yingeli.net/2012/01/cnnic-neue-statistik-plattform/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Internet in China 2011</title>
		<link>http://yingeli.net/2012/01/internet-in-china-2011/</link>
		<comments>http://yingeli.net/2012/01/internet-in-china-2011/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 17 Jan 2012 03:58:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yingeli</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://yingeli.net/?p=2040</guid>
		<description><![CDATA[Neue statistische Daten zum chinesischen Internet (Stand 31.12.2011): 513 Millionen User, fast 56 Mio mehr als Ende 2010. Davon sind fast die Hälfte auf Mikroblogging-Plattformen registriert, während die Nutzerzahlen von Email. BBS und Blogs gesinken sind &#8211; eine gewaltige Herausforderung für die Regierung, die diese Plattformen mittels Zensur und Blockade kontrollieren will (schreibt Global Times). [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neue statistische Daten zum chinesischen Internet (Stand 31.12.2011): 513 Millionen User, fast 56 Mio mehr als Ende 2010. Davon sind fast die Hälfte auf Mikroblogging-Plattformen registriert, während die Nutzerzahlen von Email. BBS und Blogs gesinken sind &#8211; eine gewaltige Herausforderung für die Regierung, die diese Plattformen mittels Zensur und Blockade kontrollieren will (schreibt <em>Global Times</em>).  136 Millionen User kommen aus ländlichen Regionen (eine Steigerung von 8,9% gegenüber 2010), aber die Digital Divide zwischen reichen und armen Regionen ist nach wie vor extrem groß. In Beijing haben mehr als 70% der Bevölkerung das Netz benutzt, während in der ärmsten Provinz, Guizhou, nur 24,2 % online sind. Die meisten neuen User gehen übers Handy oder Tablet ins Netz.</p>
<p>Der gesamte Report ist hier abrufbar: <a href="http://www.cnnic.cn/dtygg/dtgg/201201/W020120116337628870651.pdf">http://www.cnnic.cn/dtygg/dtgg/201201/W020120116337628870651.pdf</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://yingeli.net/2012/01/internet-in-china-2011/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Douban: eBook-Reader und eBookhandlung</title>
		<link>http://yingeli.net/2012/01/douban-ebook-reader-und-ebookhandlung/</link>
		<comments>http://yingeli.net/2012/01/douban-ebook-reader-und-ebookhandlung/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 09:01:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yingeli</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Verlagswesen]]></category>
		<category><![CDATA[E-Book]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[OnlineLiteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://yingeli.net/?p=2034</guid>
		<description><![CDATA[Nachdem das chinesische soziale Netzwerk für Kulturliebhaber Douban bereits Ende vorigen Jahres ein System freigeschaltet hat, das es Autoren erlaubt, ihre Texte upzuloaden, wird im Jänner (offenbar zum Frühlingsfest) nun der dazugehörige Reader für Kindle (6 und 9,7 Zoll), iPad und das Web veröffentlicht. Im März folgt dann ein eBook-Shop, das hoch qualitative Originaltexte &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem das chinesische soziale Netzwerk für Kulturliebhaber <a href="http://www.douban.com">Douban</a> bereits Ende vorigen Jahres ein System freigeschaltet hat, das es Autoren erlaubt, ihre Texte upzuloaden, wird im Jänner (offenbar zum Frühlingsfest) nun der dazugehörige Reader für Kindle (6 und 9,7 Zoll), iPad und das Web veröffentlicht. Im März folgt dann ein eBook-Shop, das hoch qualitative Originaltexte &#8211; und zwar literarische wie nicht-literarische &#8211; anbieten wird, wobei größtes Augenmerk auf die Gestaltung und die Einbindung von Fußnoten, Zitaten, Bildern usw. gelegt wird.</p>
<p>Die Betreiber von Douban sehen die Entwicklung des Readers als Fortsetzung ihrer &#8220;Spezialisierung&#8221; auf Buch-Rezensionen und -kritiken; die Software wird es erlauben, ein Buch zu ranken, zu kommentieren und ganze Seiten  aus dem Reader heraus zu empfohlen. Ein Buch wird als sozialer Knotenpunkt verstanden, der ins Douban-Universum ausstrahlt. Es soll über diese Konversationen rund um ein Buch ein &#8220;Salon der Leser&#8221; entstehen, der im Laufe der Zeit ein eigenes Biotop rund um ein Buch entstehen lässt.</p>
<p>Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Readers werden 20 Werke gratis zur Verfügung gestellt &#8211; die Autoren haben Douban die Rechte für diesen Anlass  überlassen.</p>
<p>Die Ankündigung auf dem Blog von Douban: <a href="http://blog.douban.com/douban/2012/01/14/1468/">http://blog.douban.com/douban/2012/01/14/1468/</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://yingeli.net/2012/01/douban-ebook-reader-und-ebookhandlung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Han Han über &#8220;Revolution&#8221;, &#8220;Demokratie&#8221;, &#8220;Freiheit&#8221;</title>
		<link>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-revolution-demokratie-freiheit/</link>
		<comments>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-revolution-demokratie-freiheit/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 07:45:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yingeli</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://yingeli.net/?p=2005</guid>
		<description><![CDATA[Rund um die Wintersonnenwende hat Han Han, Superblogger, Schriftsteller und Rennfahrer, auf seinem Blog drei Artikel über &#8220;Revolution&#8221;, &#8220;Demokratie&#8221; und &#8220;Freiheit&#8221; veröffentlicht, in denen er erstmals seine Gedanken zu diesen Fragen systematisch (in Form von an sich selbst gestellten Fragen /Antworten) veröffentlicht und die unter den Netizens eine heftige Debatte ausgelöst haben. (Zur gleichen Zeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rund um die Wintersonnenwende hat Han Han, Superblogger, Schriftsteller und Rennfahrer, auf seinem Blog drei Artikel über &#8220;Revolution&#8221;, &#8220;Demokratie&#8221; und &#8220;Freiheit&#8221; veröffentlicht, in denen er erstmals seine Gedanken zu diesen Fragen systematisch (in Form von an sich selbst gestellten Fragen /Antworten) veröffentlicht und die unter den Netizens eine heftige Debatte ausgelöst haben. (Zur gleichen Zeit wurden andere Aktivisten wie der Schriftsteller Chen Wei oder der Aktivistenveteran Chen Xi für ähnliche Äußerungen in Online-Medien zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.) Damit wurde die Debatte über die Zukunft Chinas aus der akademischen Sphäre bzw. aus dem Kreis der Dissidenten hinaus in die Microblogging-Sphäre getragen. Zhang Yiwu von der Peking University streicht heraus, dass der einfache Bürger Han Han mit seinen Reflektionen über die Entwicklung Chinas in den letzten 30 Jahren  die Ideologien von Rechts und Links (die jeweils die Entwicklungen falsch vorausgesagt haben) hinter sich lässt und sich von derartigen Beschränkungen freimacht und damit ein Vorbild für die &#8220;Intellektuellen&#8221; sein könnte (siehe seinen Artikel <a href="http://news.ifeng.com/opinion/society/detail_2011_12/27/11593455_0.shtml">hier</a>).</p>
<p>John Kennedy hat die wichtigsten Reaktionen auf Sina Weibo für Global Voices<a href="http://globalvoicesonline.org/2011/12/26/china-only-talking-about-a-revolution/"> hier</a> zusammengefasst.</p>
<p>Die drei Texte hier in meiner deutschen Übersetzung: <a href="http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-revolution/">Über Revolution</a>, <a href="http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-demokratie/">Über Demokratie</a>, <a href="http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-freiheit/">Über Freiheit</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-revolution-demokratie-freiheit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Han Han: Über Freiheit</title>
		<link>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-freiheit/</link>
		<comments>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-freiheit/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 07:41:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yingeli</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://yingeli.net/?p=1999</guid>
		<description><![CDATA[Chinesische Originalfassung: Han Hans Blog In „Über Revolution“ habe ich gesagt, dass jeder Mensch eine andere Form von Freiheit anstrebt. In „Über Demokratie“ habe ich gesagt, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein Prozess des Verhandelns sind. Zu Weihnachten kann es noch so viele Preisnachlässe geben, aber gratis werden die Geschenke nicht sein. Also beginne ich jetzt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Chinesische Originalfassung: <a href="http://blog.sina.com.cn/u/1191258123">Han Hans Blog</a></em></p>
<p>In „Über Revolution“ habe ich gesagt, dass jeder Mensch eine andere Form von Freiheit anstrebt. In „Über Demokratie“ habe ich gesagt, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein Prozess des Verhandelns sind. Zu Weihnachten kann es noch so viele Preisnachlässe geben, aber gratis werden die Geschenke nicht sein. Also beginne ich jetzt mit meinen Verhandlungen.</p>
<p>Zuerst verlange ich als Kulturschaffender im neuen Jahr mehr Freiheit für meine kreative Arbeit. Dass ich das nie als xx-Freiheit oder yy-Freiheit beschrieben habe, liegt daran, dass diese beiden Begriffe einem unbewusst Angst machen und wachsam werden lassen. Auch wenn diese Freiheiten von der Verfassung garantiert sind, wurden sie bis jetzt nie wirklich richtig umgesetzt. Gleichzeitig will ich – im Namen meiner Kollegen – auch ein paar Freiheiten für die Medien fordern. Die Medien sind nach wie vor streng kontrolliert. Und da sind noch meine Freunde aus der Filmbranche. Sie können sich nicht vorstellen, wie sie leiden. Die Arbeit im Kulturbereich ähnelt einem Gang durch ein Minenfeld: Wenn man auf eine Mine tritt, wird man in Stücke gerissen. Und wenn man nicht auf eine Mine treten will, muss man langsam gehen und Umwege machen. Diese Freiheiten sind aber ein Trend unserer Zeit. Sie haben sie uns versprochen. Ich weiß, dass Sie den Fall der Sowjetischen KP studiert haben und glauben, der Fall der Sowjetunion sei zum Großteil darauf zurückzuführen, dass Gorbatschow die Pressezensur gelockert und die höchste Macht verfassungskonform von der Partei an die Volksvertretung übergeben hat. Das lässt Sie hinsichtlich Pressefreiheit und Verfassungsfragen besonders vorsichtig sein.</p>
<p>
Aber die Zeiten haben sich geändert. Die modernen Kommunikationstechnologien haben Zensur sinnlos gemacht. Die Restriktionen im Kulturbereich verhindern, dass die chinesische Literatur oder das chinesische Kino internationale Bedeutung erlangen. Und wir Kulturschaffende können nicht stolz auf uns sein. Gleichzeitig hat China auch keine international einflussreichen Medien, denn viele Dinge können auch mit viel Geld nicht gekauft werden. Kultureller Reichtum ist in Wirklichkeit ganz billig zu haben: Je weniger Beschränkungen, desto größer der Reichtum. Aber wenn Sie immer wieder betonen, dass die Kultur in China keinen Beschränkungen unterworfen sei, dann sind Sie unaufrichtig. Im neuen Jahr möchte ich die Behörden inständig bitten, der Kultur, den Verlagen, den Medien und dem Kino mehr Freiheiten zu gewähren.</p>
<p>
Wenn dies tatsächlich umgsetzt und ein freieres Umfeld geschaffen wird, dann mache ich, was meine Person angeht, folgende Versprechungen: Ich werde keine alten Rechnungen begleichen; ich werde vorwärts blicken; ich werde keine historisch sensiblen Themen aufgreifen; ich werde die Familien der Führungsriege und ihre Interessen nicht diskutieren oder kritisieren; ich werde nur aktuelle soziale Probleme kritisieren und kommentieren. Am besten wäre es freilich, wenn sowohl Kulturschaffende als auch Behörden einen Schritt zurück machen und einen vorab festgelegte Minimalstandard einhalten würden, um einander mehr Spielraum zu verschaffen.</p>
<p>
Aber wenn sich die Dinge in drei Jahren nicht zum Besseren gewendet haben, dann werde ich persönlich bei jeder Jahresversammlung des Schriftstellerverbandes oder der Chinesischen Vereinigung für Literatur- und Kunstschaffenden anwesend sein oder vor der Tür stehen, um zu protestieren. Das mag lächerlich erscheinen und wie ein Kampf zwischen David und Goliath anmuten, aber das ist das, was ich persönlich tun kann. Natürlich werde ich allein hingehen und weder meine Kollegen noch meine Leser dazu anstiften. Ich werde nicht die Zukunft andrer Menschen benutzen, um meinen Lebenslauf aufzupolieren. Gleichzeitig glaube ich in den Charakter unserer Generation, daher glaube ich, dass diese Freiheiten früher oder später kommen werden. Ich hoffe nur, dass sie eher früher als später kommen werden: Weil ich glaube, dass ich dann noch besser schreiben kann, möchte ich nicht warten, bis ich alt bin. Lasst mich da also dabeisein.</p>
<p>
Das sind meine persönlichen Forderungen für mein berufliches Umfeld. Ich habe das Gefühl, dass wir in dieser sehr fruchtbaren Diskussion mehr Gewicht auf die Frage legen sollten, wie wir dort hinkommen, als auf die Frage zu erforschen, wie das Ziel ausschauen sollte. Es heißt, dass ein Mensch nur einen Wunsch pro Mal aussprechen kann. Ich habe also meinen Wunsch schon aufgebraucht. Andere Wünsche wie Fairness, Gerechtigkeit, Gesetzlichkeit, politische Reformen und alles andere müssen die Freunde, die sie brauchen, formulieren. Auch wenn ich glaube, dass Freiheit nicht für jeden die höchste Priorität hat, so glaube ich doch, dass niemand ständig in Angst und Unsicherheit leben will. Ich wünsche mir, dass jene, die kein Geld haben, in einer gerechten Gesellschaft reich werden können, und dass jene, die Geld haben, sich den Ausländern nicht mehr unterlegen fühlen müssen, weil sie lediglich Geld haben. Ich wünsche mir, dass alle jungen Menschen diese Weihnachten angstlos über Revolution, Reform und Demokratie sprechen können, sich über die Zukunft des Landes Gedanken machen und es als Bruder und Schwester betrachten. Politik ist nicht schmutzig, Politik ist nicht uninteressant, Politik ist nicht gefährlich. Gefährliche, uninteressante, schmutzige Politik ist nicht echte Politik. Chinesische Medizin, Schießpulver, Seide und Pandas können uns keinen Ruhm einbringen; die hundert Louis-Vuitton-Taschen der Frau des Landrats können uns auch keinen Respekt bringen. Ich wünsche mir, dass die herrschende Partei mutig voranschreitet und in die Geschichte, die nicht nur von ihr selbst geschrieben wird, eingeht.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-freiheit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Han Han: Über Demokratie</title>
		<link>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-demokratie/</link>
		<comments>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-demokratie/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 06:55:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yingeli</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://yingeli.net/?p=1994</guid>
		<description><![CDATA[Chinesische Originalfassung: Han Hans Blog Frage: Eine Revolution muss nicht notwendigerweise gewalttätig sein. Die Samtene Revolution ein perfektes Beispiel dafür. Antwort: Ich glaube nicht, dass in China eine Samtene Revolution stattfinden kann. Lassen wir die internationale Lage einmal außer Acht. Lassen wir auch die Tatsache außer Acht, dass die damalige Tschechoslowakei nur halb so viele [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Chinesische Originalfassung: <a href="http://blog.sina.com.cn/s/blog_4701280b0102dz84.html">Han Hans Blog</a></p>
<p><strong>Frage: Eine Revolution muss nicht notwendigerweise gewalttätig sein. Die Samtene Revolution ein perfektes Beispiel dafür.</strong><br />
Antwort: Ich glaube nicht, dass in China eine Samtene Revolution stattfinden kann. Lassen wir die internationale Lage einmal außer Acht. Lassen wir auch die Tatsache außer Acht, dass die damalige Tschechoslowakei nur halb so viele Einwohner hatte wie die Stadt Beijing. Wenn man in eine Samtene Revolution glauben will, muss man sich dafür entscheiden, in den Charakter des Volkes zu glauben, in die Toleranz der Machthaber, in die Führungsrolle der Intellektuellen. Die Samtene Revolution war erst aufgrund der Bündelung dieser drei Kräfte möglich. Meiner Meinung nach existieren diese Kräfte in China überhaupt nicht. Du kannst nicht eine perfekte Revolution im Munde führen, um eine in Zukunft vielleicht unvollkommene Reform zu widerlegen. Ich verstehe, dass viele chinesische Intellektuelle und Wissenschaftler der Samtenen Revolution gegenüber sehr tiefe Gefühle hegen, ja, manche von ihnen mögen sich selbst heimlich in der Rolle von Vaclav Hawel sehen. Aber ob in China nun eine gewaltsame oder eine gewaltlose Revolution stattfindet, die Rolle der Intellektuellen wird weniger wichtig sein, als sie sich das vorstellen, ganz zu schweigen davon, dass sie eine Führungsrolle einnehmen könnten. Und je niedriger das Niveau des Volkes (素质）ist, desto unwichtiger sind die Intellektuellen. Du kannst auch nicht mit Begriffen wie „vollkommene Demokratie“, „vollkommene Freiheit“, „vollkommene Menschenrechte“ erklären, wie man der Realität in China entkommen könnte. Reform und Demokratie sind in Wirklichkeit ein Prozess des Verhandelns, du kannst nicht erwarten, dass die Machthaber ein paar Bücher lesen und sich plötzlich bewegt fühlen, dir alles zu überantworten. Du kannst auch nicht ständig eine Samtene Revolution herbeiwünschen, nur damit du in die Rolle von Hawel schlüpfen kannst und plötzlich jeder chinesische Bürger einen Stimmzettel bekommt und seine Stimme aber nicht gekauft wird. Selbst heute gibt es in Tschechien kein allgemeines Wahlrecht. Mein Standpunkt ist daher sehr simpel: Wir wollen nicht, dass eine gewaltsame Revolution stattfindet, eine Samtene Revolution kann aber in China in der näheren Zukunft nicht stattfinden. Eine perfekte Demokratie wird es in China nicht geben können, daher können wir nur ein Ding nach dem anderen anpacken. Es bringt nichts, wenn wir frustriert sind, weil wir im stillen Kämmerlein von Demokratie und Freiheit träumen. Reform ist für den Moment die beste Antwort.</p>
<p><strong>Frage: Der Schluss, den Sie ziehen, ist, dass das Niveau des chinesischen Volkes zu minder ist und daher nicht für eine Demokratie taugt. Hat Ihnen die Regierung eine stabilitätswahrendes Honorar gezahlt, damit Sie das sagen?</strong><br />
Antwort: Ich weiß nicht, wie Sie zu diesem Schluss gelangen. Ich habe den Eindruck, dass ich mich sehr klar ausgedrückt habe: Es geht nicht darum, ob Demokratie geeignet oder ungeeignet ist, denn sie wird früher oder später kommen. Das unzulängliche Niveau der Bürger kann nicht verhindern, dass früher oder später ein demokratisches System kommen wird, aber sie kann die Qualität der Demokratie bestimmen. Niemand will eine Demokratie im Stile Ruandas, aber das ist ja gar keine Demokratie im eigentlichen Sinn. Manchmal kommt sie langsam, manchmal kommt sie über Nacht. Vielleicht ist es auch keine umfassende, vollständige Demokratie. Manchmal ist es auch nicht eine Demokratie nach europäischem oder amerikanischem Muster. Aber irgendwann in deinem Leben wird sie kommen. Wenn du dich dann erinnerst, wirst du vielleicht das Gefühl haben, dass es eher langweilig und gar nicht so aufregend war.</p>
<p><strong>Frage: Sie meinen also, dass alles vom guten Willen der Machthaber und nicht von den Anstrengungen der Bürger selbst abhängt?</strong><br />
Antwort: Natürlich ist es wichtig, Druck auf die Machthaber auszuüben. Aber leider ist die Kooperation der Herrschenden noch wichtiger. Dazu braucht es tatsächlich Glück und Persönlichkeiten. Zurzeit sind die verschiedenen gesellschaftlichen Klassen gespalten und einander entfremdet, z. B. sind die Machthaber beim Zugsunglück von Wenzhou sehr unberührt geblieben, auch wenn dieses Ereignis viel öffentliche Aufmerksamkeit generiert hat. Sie hatten das Gefühl, dies sei eine Angelegenheit der Bürger, das sich auch ohne Eingreifen mit der Zeit lösen würde. An den Familien der herrschenden Schicht ziehen solche Ereignisse wie spurlos vorbei; ihnen geht es nur darum, wer aufsteigt und wer absteigt, wer wie alt ist, wer welche Position innehat. Unter dem Druck einer solchen öffentlichen Meinung verschwinden die Dinge wie von selbst wieder. Viel wahrscheinlich ist aber, dass sie den Druck der öffentlichen Meinung überhaupt nicht spüren. Wenn Sie auf Ihrem Konto eine Milliarde Yuan haben, dann tut es Ihnen auch nicht weh, wenn Sie tausend Yuan verlieren. Die Intellektuellen mögen gewisse Dinge als sehr wichtig erachten, aber sie überschätzen die Sorgen, die sich die Machthaber deswegen machen, denn diese registrieren solche Dinge vielleicht gar nicht. Intellektuelle führen alle Probleme auf das System an sich zurück,  als ob sich durch eine Veränderung des politischen Systems alle Probleme lösen würden. Das mag eine aufrechte und gutgemeinte Haltung sein, aber sie gehen davon aus, dass die Bauern und Arbeiter ihre Wahrnehmung teilen, ja, sie meinen, dass alle so wie sie denken müssen. Aber die Realität ist oft viel ernüchternder.</p>
<p>Weil die Rallys, an denen ich teilnehme, alle an entlegenen Orten stattfinden, habe ich in den letzten Jahren gut hundert Kreisstädte besucht. Diese Ort sind nicht besonders isolierte oder arme Städte. Ich habe mich dort mit Leuten verschiedenster Herkunft unterhalten. Für sie ist die Verwirklichung von Demokratie und Freiheit kein so dringendes Anliegen, wie es sich die Intellektuellen vorstellen. Sie hassen Macht und Korruption vor allem deswegen, weil sie (oder ihre Verwandten) etwas nicht bekommen, was jemand anderer bekommt; es geht ihnen nicht darum, Macht zu beschränken oder zu kontrollieren. Erst wenn ihnen selbst eine Ungerechtigkeit widerfährt und sie sich mit Petitionen dagegen wehren wollen, ziehen sie ihr Wörterbuch heraus und schlagen diese Vokabel nach. Wenn die Regierung ihnen nur genug Entschädigung zahlt, sind sie zufrieden. Gesellschaftliche Konflikte, die mit Geld gelöst werden können, sind aber gar keine echten gesellschaftlichen Konflikte. Im Allgemeinen sehen die Intellektuellen darin, dass die Bürger in solchen Notfällen Begriffe wie „Demokratie“ und „Freiheit“  verwenden, ein Zeichen für ein viel umfassenderes Bedürfnis und glauben, es gäbe einen Konsens zwischen Intellektuellen und Bürgern. Ich glaube nicht, dass in einem Land, das so stark gespalten ist, eine perfekte Revolution stattfinden kann. Man könnte meinen, dass das daher rührt, dass die Machthaber das Volk bereits so gut gezähmt haben, und man müsste daher die Machthaber austauschen. Aber so ist es bereits seit ein, zwei Generationen. Aber wenn ich mit ihren Kindern spreche, so merke ich, dass das Internet und andre Medien ihnen zum Glück bereits mehr oder weniger die Augen geöffnet haben. Daher bin ich überhaupt nicht pessimistisch.</p>
<p>Heute hat die Kommunistische Partei Chinas 80 Millionen Mitglieder. 300 Millionen Menschen leben in Familien, in denen ein Familienmitglied der Partei angehört. Die Partei ist schon lange nicht mehr bloß eine politische Partei oder Klasse. Daher sind die Mängel der KP in vielen Fällen tatsächlich die Mängel des Volkes. Ich glaube, dass ein sehr starkes Einparteiensystem im Grunde ein Nichtparteiensystem darstellt: Wenn die Parteiorganisation eine massive Größe erreicht, dann ist sie das Volk selbst. Daher geht es nicht darum, die KP so oder so zu behandeln. „Kommunistische Partei“ ist nur ein Name, das System ist nur ein Name. Wenn Sie das Volk verändern, dann verändert sich alles. Daher muss man sich auf diese Veränderung konzentrieren. Rechtsstaatlichkeit, Bildung, Kultur: Das ist die Grundlage.</p>
<p><strong>Frage: Wenn es zur Revolution kommt, welche Rolle sollten dann einflussreiche Intellektuelle spielen?</strong><br />
Antwort: Dann sollten die Intellektuellen wie ein Grashalm auf einer Mauer sein, allerdings einer, der sich gegen den Wind stemmt. Die Intellektuellen müssen ihren eigenen Sinn für Gerechtigkeit entwickeln, aber sie dürfen keine eigene Position einnehmen. Je mehr Einfluss die Intellektueller haben, desto weniger dürfen sie ihren eigenen fixen Standpunkt haben. Sobald eine Seite mächtig wird, müssen sie sofort auf die andere Seite wechseln. Sie dürfen unter keinen Umständen einen eigenen Standpunkt verfechten oder einer Ideologie folgen. Sie müssen davon ausgehen, dass alle Revolutionäre Schwindler sind. Sie dürfen keinen Versprechungen folgen. Die Intellektuellen müssen ihre Anstrengung darauf konzentrieren, dass verhindert wird, dass eine Seite vernichtet und die andere Seite absolute Macht erringt.Wenn es in China in Zukunft eine Revolution geben sollte, dann werde ich auf der Seite der Schwachen und Verletzlichen stehen, und wenn die zu stark werden, dann halte ich zu deren Gegnern. Ich bin gewillt, meine persönlichen Einstellungen zu opfern, um sicherzustellen, dass verschiedene Gruppen nebeneinander existieren können. Erst dann kann es alles das geben, wonach wir streben.</p>
<p><strong>Frage: Noch eine zusätzliche Frage zum &#8220;Niveau des Volkes“ und zur Demokratie: Viele Leute sagen: Ich war in entwickelten Ländern und habe gemerkt, dass jenseits der Oberfläche die Natur der Menschen auch nicht anders ist, daher kann nur ein gutes System ein hohes Niveau der Bürger garantieren.</strong><br />
Antwort: Ich stimme voll zu. Aber wir reden vor allem über die Oberfläche. Wir dürfen die Bedeutung dieser oberflächlichen Niveaus aber auch nicht unterbewerten, weil die Menschen sind, wie sie sind. Die Qualität der Demokratie wird von der oberflächlichen Qualität der Menschen bestimmt. Wenn jemand beim Autofahren das Fernlicht abblendet, dann mag es so scheinen, als wäre er höflich und würde die sozialen Regeln respektieren, aber wenn man sich näher mit ihm einlässt, stellt man fest, dass er egoistisch, schwach, engstirnig und gierig ist. Was hat es nun damit auf sich? Es macht keinen Sinn, wenn man das Niveau der Bürger und die menschliche Natur an sich gemeinsam diskutiert. Natürlich ist die menschliche Natur von Amerikanern und Chinesen mehr oder weniger gleich, ja, alle Menschen haben mehr oder weniger die gleiche Natur. Wir sind also mit einer Huhn-oder-Ei-Frage konfrontiert: War zuerst das hohe Niveau der Bürger da und dann erst das gute (Regierungs)System, oder war zuerst das gute System und dann das hohe Niveau der Bürger? In Wirklichkeit gibt es keinen Zweifel: In einer Zeit, in der sich ein gutes System herausbilden kann, sollte ein gutes System gesichert werden, egal ob das  Niveau der Bürger gut oder schlecht ist, denn ein gutes politisches System ist dauerhaft und breitet sich aus. Das System ist etwas Substanzielles, etwas, was mit der Wirklichkeit zu tun hat, während das Niveau etwas Leeres, eine Illusion ist.</p>
<p>Das Problem ist, dass wir dann, wenn ein gutes System aus verschiedenen Gründen nicht entstehen kann, nicht darauf warten können, dass es vom Himmel fällt und wir dann erst die Möglichkeit und Motivation haben, etwas zu beginnen. Denn sonst wäre eine gute Qualität erst gar nicht notwendig, sie ist etwas Langsames und nicht unbedingt sehr effektiv. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie ein gutes System und eine gute Demokratie entstehen können: In einem Fall gibt es einen Gedenktag, im andren Fall gibt es keinen spezifischen Tag des Gedenkens, sondern die harte Arbeit von ein, zwei Generationen. Ich meine, wir sollten etwas realistischer sein: Die Unabhängigkeitserklärung Amerikas, die Verfassung und die Amendments – all das ist zustande gekommen, weil die politischen Parteien und das Volk sie gemeinsam geschaffen haben. Unsere Verfassung ist auch gut, und unsere herrschende Partei hat Dinge verkündet, die auf einer Höhe mit der Unabhängigkeitserklärung sind, aber die meisten dieser Dinge sind nie umgesetzt worden. Die Partei ist nicht imstande, die verschiedenen Erklärungen zu betrachten und zu reflektieren. Der Preis einer Revolution wiederum ist zu hoch, sie ist zu unkontrollierbar, eine Reform ist langsam und kann immer wieder hinausgeschoben werden, die Bürgerqualität ist mangelhaft – es scheint, als wären wir an einem toten Punkt angekommen. Aber ich habe mich entschieden, trotzdem an eine Reform zu glauben. Die Idee einer gewaltsamen bzw. einer gewaltlosen Revolution kann nur als Spielchip beim Überwachen und Vorantreiben von Reformen dienen, aber nicht tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-demokratie/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Han Han: Über Revolution</title>
		<link>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-revolution/</link>
		<comments>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-revolution/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 06:50:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yingeli</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://yingeli.net/?p=1987</guid>
		<description><![CDATA[Chinesische Originalfassung im Blog von Han Han In letzter Zeit bin ich viele Fragen, die mir früher gestellt wurden, noch einmal durchgegangen. Zwei Begriffe kommen dabei immer wieder vor: „Revolution“ und „Reform“. Auch die Medien stellen immer wieder diesbezügliche Fragen, aber die Antworten werden nur selten veröffentlicht. Egal, was ich sage, in 80 Prozent der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="_mcePaste"><em>Chinesische Originalfassung im Blog von <a href="http://blog.sina.com.cn/s/blog_4701280b0102dz5s.html">Han Han</a></em></div>
<div>
<div>In letzter Zeit bin ich viele Fragen, die mir früher gestellt wurden, noch einmal durchgegangen. Zwei Begriffe kommen dabei immer wieder vor: „Revolution“ und „Reform“. Auch die Medien stellen immer wieder diesbezügliche Fragen, aber die Antworten werden nur selten veröffentlicht. Egal, was ich sage, in 80 Prozent der Fällen wird nicht darüber berichtet. In diesem ersten Text, der zur Wintersonnenwende erscheint, beantworte ich Fragen meiner Leser und lege meine Ansichten über den Begriff „Revolution“ dar. Dabei habe ich Fragen gesammelt, die mir Leser sowie internationale und nationale Medien gestellt haben.</div>
<div><strong>Frage: In letzter Zeit ist es in China immer wieder zu Massenzwischenfällen gekommen. Haben Sie das Gefühl, dass China eine Revolution braucht?</strong></div>
<div>Antwort: In einem Land mit einer sehr komplexen sozialen Struktur, noch dazu in einem Land im Fernen Osten, wird der letztendliche Gewinner einer Revolution sicher eine skrupellose, grausame Figur sein. Aber ganz offen gesagt: „Revolution“ ist ein scheinbar sehr cooler, aufregender Begriff, der sich auf etwas bezieht, dessen Ergebnis sofort sichtbar ist. Aber eine Revolution ist nicht unbedingt die beste Option für China. Zuallererst braucht es für eine Revolution eine klare Forderung. Diese Forderung ist in China fast immer gegen Korruption gerichtet. Aber das geht nicht weit genug. Für „Freiheit“ oder „Gerechtigkeit“ gibt es hierzulande keinen Markt, denn die meisten Menschen, sieht man von einigen Künstlern und Journalisten ab, fühlen sich frei, wenn man sie direkt fragt. Und wenn man sie fragt, ob sie Gerechtigkeit wollen, werden sie meist antworten, dass sie solange zufrieden sind, solange Ungerechtigkeiten nur andere und nicht sie selbst treffen. Die meisten Menschen sind kaum direkt ungerechter Behandlung ausgesetzt, und deshalb ist es schwierig, sie dazu zu motivieren, sich für eine gerechte Behandlung und für die Freiheit andrer Menschen einzusetzen. In China ist es sehr schwierig, ein kollektives Bedürfnis zu finden. Dabei geht es nicht darum, ob etwas gebraucht wird oder nicht, sondern ob es möglich ist oder nicht. Meiner Meinung nach ist es weder möglich noch notwendig. Aber wenn man mich fragt, ob wir in China mehr echte Reformen brauchen, dann antworte ich mit einem klaren Ja.</div>
<div><strong>Frage: Warum werden Sie nicht selbst Anführer einer Revolution?</strong></div>
<div>Antwort: Machen Sie keine Witze! Würde ich die Idee einer Revolution befürworten und eine Aufstand in Shanghai anführen, der ein gewisses Ausmaß annimmt, könnten die Behörden einfach Internet und Handy abschalten. Ich denke, dass die Regierung dann nicht einmal ihre stabilitätswahrenden Truppen ausschicken müsste, denn die Leute, die nicht mehr auf QQ chatten, Online-Spiele spielen oder ihre Fernsehserien schauen können, würden uns gleich davonjagen. Sie sollten auch nicht hoffen, dass Sie mich mit Postings auf Weibo unterstützen können, denn wenn Sie drei Tage nicht auf Weibo kommen, dann hassen auch Sie mich.</div>
<div><strong>Frage: Heißt das, dass China weder Demokratie noch Freiheit braucht?</strong></div>
<div>Antwort: Das ist ein Missverständnis. Intellektuelle stellen meist eine direkte Verbindung zwischen Demokratie und Freiheit her. Aber für einen Chinesen ist das Resultat von Demokratie oft Unfreiheit, denn die meisten Chinesen assoziieren Freiheit nicht mit Publikationswesen, Presse, Literatur, Meinungsäußerung, Wahlen oder Politik, sondern als Freiheit gegenüber der öffentlichen Moral, z. B. dass Menschen ohne soziale Beziehungen frei lärmen, die Straßen überqueren oder spucken können, und dass Leute, die über ein gewisses soziales Beziehungsnetz verfügen, die Spielregeln brechen, Schlupflöcher ausnutzen und illegale Taten begehen können. Gute Demokratie bringt daher von selbst sozialen Fortschritt und Rechtsstaatlichkeit mit sich. Das bedeutet aber unweigerlich, dass sich Menschen, die sich nicht um kulturelle Freiheit kümmern, weniger frei fühlen. Deswegen fühlen sich auch viele Chinesen nicht besonders wohl, wenn sie in die entwickelten Länder in Europa oder Amerika kommen. Demokratie und Freiheit müssen nicht unbedingt miteinander verbunden sein. Ich glaube, dass Chinesen ihre ganz eigenen Ansichten darüber haben, was Freiheit ist, und dass das Konzept der Freiheit in China keine „Ansteckungskraft“ besitzt.</div>
<div><strong>Frage: Ich habe das Gefühl, dass in China das Übel schon zu tief sitzt und eine Reform nichts mehr bewirken kann – nur eine Revolution könnte eine Wende zum Besseren bringen.</strong></div>
<div>Antwort: Nehmen wir an, eine Revolution würde nicht gleich im Keim erstickt werden – was natürlich völlig unrealistisch ist. Aber stellen wir uns einmal vor, dass die Revolution die mittlere Phase erreicht hat: Die Studenten, die Massen, die soziale Elite, die Intellektuellen, die Bauern und Arbeiter – diese Gruppen können mit Sicherheit keinen Konsens erzielen. Und dann gibt es noch eine Gruppe, die immer übersehen wird: die verarmten Bevölkerungsschichten. Dabei handelt es um ungefähr 250 Millionen Menschen. Normalerweise wird uns gar nicht bewusst, dass sie existieren, weil sie von der Nutzung des Internet ausgeschlossen sind. Da unsere Revolution schon das mittlere Stadium erreicht hat, müssen sich bereits Führerpersönlichkeiten herauskristallisiert haben. Eine Revolution ohne Anführer ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der Aufstand der Sekte des Weißen Lotus ist ein gutes Beispiel dafür. Aber auch wenn eine Revolution einen Anführer hat – siehe Taiping-Revolution –, ist das nicht unbedingt gut, denn ein Führer ist nicht die wohlwollende, gütige Figur, die wir uns vorstellen, während wir vor unserem Computer sitzen. So ein Revolutionsführer wäre höchstwahrscheinlich eine diktatorische, dominierende, egomanische, arrogante, bösartige und gewalttätige Figur. Ja, das klingt nicht ganz neu. Die chinesische Gesellschaft ist es gewöhnt, dass nur solche Leute an die Spitze kommen und die guten Leute auf der Strecke bleiben. Die Führergestalten, die die jungen gebildeten Chinesen gerne sehen würden, wären nach einer Woche weg vom Fenster. Je gebildeter jemand ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er sich einer Führerfigur anschließt. Diese Leute würden sich sehr wahrscheinlich schon ganz früh von der Revolution abwenden. Wenn sich aber die Elite abwendet, dann würde sich die Zusammensetzung der Revolutionäre verändern. Egal, wie gut die Slogans am Beginn der Revolution dann auch geklungen haben mögen, sie werden letzten Ende auf eines hinauslaufen: Geld.</div>
<div>Will man es gelinde ausdrücken: Es geht darum, uns das Geld, das uns zusteht,  zurückzugeben. Etwas schärfer formuliert: Der Reichtum wird mit Gewalt neu verteilt. Ihr solltet nicht glauben, dass ich mitmachen würde, nur weil ich glaube, dass ich ein bisschen Geld besitze und es nicht verlieren möchte. Wenn du ein iPhone hast, ein Motorrad fährst, dich im Internet auskennst, regelmäßig Zeitung liest oder bei KFC essen gehst – also ein bisschen Geld hast und vielleicht sogar zu den Leuten gehörst, die diesen Artikel im Netz lesen können –, dann bist du im Strudel der Revolution die mit Erbsünde behaftete Zielscheibe der Revolution. Wer ein Vermögen von hundert Millionen Yuan besitzt, ist sicherer als jemand, der nur zehntausend Yuan besitzt, weil ersterer auswandern und vor seiner Haustür die NYT finden kann. Am schlechtesten ist die Mittelklasse dran, denn die sitzt hier fest. Bei den verschiedenen politischen Kampagnen der Vergangenheit haben die Leute einander gegenseitig verfolgt. Heute kennen die Menschen nur das Geld, daher sind viele heute schon gut drauf trainiert, den andren wegen des Geldes zu verfolgen. Die Chinesen legen großen Wert darauf, dass alle offenen Rechnungen beglichen werden. Und das führt letztendlich auch zu Repression.</div>
<div>Jede Revolution braucht Zeit. China ist ein so riesiges Land, da braucht man gar nicht von Chaos, bürgerkriegsähnlichen Zuständen oder Machtvakuum sprechen. Nach fünf oder zehn chaotischen Jahren sehnen sich die Leute hier sicher nach einem mit eiserner Faust regierenden Diktator, der die soziale Ordnung wiederherstellt und aufräumt. Und ob wir von der Kampagne „Lasst hundert Blumen blühen“ zur Lektüre von <em>People&#8217;s Daily</em> zurückkehren, ist im Grunde auch schon egal. Noch dazu beruhen unsre Annahmen alle auf der Verstaatlichung des Militärs (Anm. d. Ü.: heute steht das Militär unter der Kontrolle der Partei). Daher handelt es sich um reine Fantasie. Und selbst diese Fantasien sind nicht gerade optimistisch, also können wir die Umsetzung gleich ganz vergessen.</div>
<div><strong>Frage: Wie sehen Sie Ägypten, Libyen &#8230;</strong></div>
<div>Antwort: Ägypten und Libyen wurden seit Jahrzehnten von Diktatoren beherrscht, und außerdem gibt es dort kaum Großstädte. So kann ein einziger Zwischenfall dort alles zur Explosion bringen: Eine Rede auf einem Platz löst eine Revolution aus, die Erfolg hat. In China gibt es keine einzelne Persönlichkeit, die das Ziel einer Revolution sein könnte. Es gibt viele Städte, eine riesige Bevölkerung. Alle möglichen Katastrophen haben schon stattgefunden, und dadurch ist der G-Punkt der Bevölkerung schon unempfindlich geworden, und einen Punkt, der eine Explosion auslösen könnte, gibt es schon gar nicht. Nehmen wir an, die sozialen Widersprüche würden noch zehnmal krasser und wir hätten zehn Hawels, die in zehn Städten ihre Reden schwingen, und die Behörden würden nicht eingreifen – letzten Endes würden diese zehn Reden von einer Halswehtablettenfirma vereinnahmt werden und im Opernhaus von Haidian stattfinden.</div>
<div>Natürlich ist alles, was ich jetzt gesagt habe, Unfug. Das Wichtigste aber ist, dass die Mehrheit der Chinesen sich nicht darum schert, wenn ein andrer stirbt. Erst wenn sie selbst draufzahlen, kommt ein Aufschrei. Sie werden es daher nie schaffen, solidarisch miteinander zu sein.</div>
<div><strong>Frage: Ihre Haltung ähnelt sehr der der Five-Cent-Partei. Sind Sie von der Partei gekauft? Warum kann nicht jeder mit seinem Stimmzettel einen Vorsitzenden wählen?</strong></div>
<div>Antwort: In einer Gesellschaft, in der alles entweder dies oder das, schwarz oder weiß, richtig oder falsch ist und jeder entweder ein prowestlicher Verräter oder ein von der Partei gekauftes Mitglied der 50-Cent-Partei ist, ist der Begriff „Revolution“ an sich schon sehr aggressiv, und wird, wenn umgesetzt, zu einer echten Bedrohung. Vielleicht glauben viele Leute, dass die dringlichste Aufgabe für China im Moment darin besteht, dass jeder mit seiner Stimme den Vorsitzenden wählt. Aber das ist nicht das Dringlichste in China. Im Gegenteil: Wenn jeder Bürger seine Wahlstimme abgeben könnte, würde das letzten Endes den Sieg der Kommunistischen Partei bedeuten. Denn wer hat mehr Geld als die KP? 50 Milliarden Yuan können 500 Millionen Stimmen kaufen. Und wenn das nicht funktioniert, dann werden halt 500 Milliarden Yuan in die Hand genommen. Die Steuereinnahmen belaufen sich jährlich auf eine Trilliarde Yuan. Wie könntest du es mit ihnen mit Geld aufnehmen? Du glaubst, dass deine Freunde fair und unabhängig sind. Solche Leute machen insgesamt ein paar hunderttausend Stimmen aus. Wenn dein gebildeter Lieblingskandidat Glück hat und auf hunderttausend Stimmen kommt, dann ist das schon nicht schlecht. Der einzige, der es mit der KP aufnehmen kann, ist Ma Huateng, weil er, wenn du dich bei QQ einloggst, ein Fenster aufmacht, das sagt: „Jeder, der für Ma Huateng stimmt, verdient sich 500 in der QQ-Währung.“ Auf diese Weise könnte er auf 200 Millionen Stimmen kommen. Aber das Problem dabei ist, dass Ma Huateng vorher der KP beitreten würde. Demokratie ist ein komplizierter, mühsamer, aber unausweichlicher gesellschaftlicher Prozess. Demokratie kann nicht durch so einfache Slogans wie „Revolution“, „allgemeines Wahlrecht“, „Mehrparteiensystem“, „Nieder mit xx“ usw. erreicht werden. Wenn du dich bis jetzt nicht um Fragen des Rechts oder der Pressefreiheit gekümmert hast, warum solltest du dich dann um so etwas wie allgemeines Wahlrecht kümmern? Der einzige Grund wäre: weil es so gut klingt. Es ist, als würden Leute, wenn es um Autorennen geht, nur von der Formel 1, oder wenn es um Fußball geht, nur vom Weltcup sprechen.</div>
<div><strong>Frage: Ich habe den Eindruck, dass in China Revolution und Demokratie nur eine Frage der Zeit sind. Welcher Zeitpunkt ist Ihrer Meinung nach der richtige?</strong></div>
<div>Antwort: „Revolution“ und „Demokratie“ sind zwei Begriffe. Diese zwei Begriffe sind nicht gleichzusetzen. Eine Revolution führt nicht zwangsweise zu Demokratie. Wir haben das ja schon einmal bewiesen. Die Geschichte gab China damals eine Chance, und die aktuelle Lage ist das Resultat der Wahl, die unsere Vätergeneration getroffen hat. Heute ist China jenes Land auf der Welt, wo es am unwahrscheinlichsten ist, dass eine Revolution ausbricht, gleichzeitig aber ist China jenes Land auf der Welt, das Reformen am nötigsten braucht. Wenn Sie mich unbedingt fragen wollen, wann die beste Gelegenheit für eine Revolution sei, kann ich nur sagen: Sobald chinesische Autofahrer so weit sind, dass sie abblenden, wenn ihnen ein anderer entgegenkommt, kann man ruhig zur Revolution schreiten.</div>
<div>So ein Land braucht keine wie immer geartete Revolution. Wenn die Qualität der Bürger (素质）und das Bildungsniveau ein gewisses Niveau erreicht haben, dann wird alles von selbst passieren. Vielleicht wirst du es erleben, dass in deinem China großartige Veränderungen geschehen, vielleicht aber bleibst du auch bis zu deinem Tod in dieser Blockade stecken. Aber egal wie, du musst dich ewig dran erinnern, dass du abblendest, wenn dir ein andres Auto entgegenkommt. Vielleicht werden unsere Kinder dann das, was ihre Mütter und Väter gesucht haben, früher erlangen.</div>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://yingeli.net/2012/01/han-han-uber-revolution/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>(中文) 王晨主任在《人民日报》发表署名文章：积极开展微博客舆论引导工作</title>
		<link>http://yingeli.net/2011/12/%e4%b8%ad%e6%96%87-%e7%8e%8b%e6%99%a8%e4%b8%bb%e4%bb%bb%e5%9c%a8%e3%80%8a%e4%ba%ba%e6%b0%91%e6%97%a5%e6%8a%a5%e3%80%8b%e5%8f%91%e8%a1%a8%e7%bd%b2%e5%90%8d%e6%96%87%e7%ab%a0%ef%bc%9a%e7%a7%af/</link>
		<comments>http://yingeli.net/2011/12/%e4%b8%ad%e6%96%87-%e7%8e%8b%e6%99%a8%e4%b8%bb%e4%bb%bb%e5%9c%a8%e3%80%8a%e4%ba%ba%e6%b0%91%e6%97%a5%e6%8a%a5%e3%80%8b%e5%8f%91%e8%a1%a8%e7%bd%b2%e5%90%8d%e6%96%87%e7%ab%a0%ef%bc%9a%e7%a7%af/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 14:30:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yingeli</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://yingeli.net/?p=1966</guid>
		<description><![CDATA[Leider ist der Eintrag nur auf 中文 verfügbar.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Leider ist der Eintrag nur auf <a href="http://yingeli.net/zh/tag/internet/feed/">中文</a> verfügbar.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://yingeli.net/2011/12/%e4%b8%ad%e6%96%87-%e7%8e%8b%e6%99%a8%e4%b8%bb%e4%bb%bb%e5%9c%a8%e3%80%8a%e4%ba%ba%e6%b0%91%e6%97%a5%e6%8a%a5%e3%80%8b%e5%8f%91%e8%a1%a8%e7%bd%b2%e5%90%8d%e6%96%87%e7%ab%a0%ef%bc%9a%e7%a7%af/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zu Gast in der 2666 Library: Lawrence Liang und Tangcha Project</title>
		<link>http://yingeli.net/2011/12/1955/</link>
		<comments>http://yingeli.net/2011/12/1955/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 11 Dec 2011 16:10:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yingeli</dc:creator>
				<category><![CDATA[(Medien)Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Verlagswesen]]></category>
		<category><![CDATA[Übersetzerei]]></category>
		<category><![CDATA[E-Book]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Translation]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://yingeli.net/?p=1955</guid>
		<description><![CDATA[Ein Kleinod an sich in Shanghai sind die 静安别墅，die Jing&#8217;an-Villen, ein Viertel, in dem die Zeit (fast) stehen geblieben zu sein scheint: die typischen Shanghaier Lane-Häuser, wo die &#8220;Ureinwohner&#8221; wohnen, sich aber auch eine ganze Reihe von Kaffees, Shops usw. angesiedelt sich haben (wobei es in letzter Zeit stiller geworden ist, weil die Bewohner sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Kleinod an sich in Shanghai sind die 静安别墅，die Jing&#8217;an-Villen, ein Viertel, in dem die Zeit (fast) stehen geblieben zu sein scheint: die typischen Shanghaier Lane-Häuser, wo die &#8220;Ureinwohner&#8221; wohnen, sich aber auch eine ganze Reihe von Kaffees, Shops usw. angesiedelt sich haben (wobei es in letzter Zeit stiller geworden ist, weil die Bewohner sich durch den Kommerz gestört fühlten und etliche nicht genehmigte Lokale schließen mussten). Und ein ganz besonderes Kleinod ist die 2666 Library, eine privater &#8220;Buchklub&#8221;, der von fünf Shanghainese betrieben wird (u. a. der Shanghaier Redakteur von <em>Chutzpah</em>, sich über Mitgliedsbeiträge finanziert, wo man Bücher ausborgen kann, Tee trinken und schmökern kann &#8211; und wo seit Mai 2011 regelmäßig Veranstaltungen, die irgendwie mit dem Publishing-Sektor zu tun haben, organisiert werden. Das Publikum ist spezialisiert: Die meisten sind Redakteure, Lektoren, Übersetzer &#8230; 2666 beherbergt hin und wieder den &#8220;Sunday Book Club&#8221;, eine Gruppe von Buchenthusiasten und Profis, die jeweils ein Buch diskutieren, das alle Teilnehmer im vorhinein auch gelesen haben (sollten). Auch dieser Klub ist ziemlich hochkarätig.</p>
<p>Am 9. Dezember war <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lawrence_Liang">Lawrence Liang</a> vom Alternative Law Forum in Bangalore zu Gast bei 2666.  Eingeladen hat ihn die Westheavens Plattform <a href="http://westheavens.net/">西天中土</a>，einer Initiative für China-Indien-Exchange des Institute of Visual Culture (der China Academy of Art) und der Hanart TZ Gallery. Am 11. Dezember war Tangcha Project (唐茶计划) zu Gast, mit einer eBook-Präsentation: 天生八卦von Sheng Yun. Anschließend Diskussion über digitales Publishing mit dem Kopf hinter dem Projekt, Lawrence Li (der mir wegen dieses Projekts als Super-Übersetzer abhanden gekommen ist &#8230;).<span id="more-1955"></span></p>
<p>Das Thema von Lawrence Liangs Präsentation war die Bedeutung von Piracy und Kopien (der Begriff leitet sich vom lateinischen &#8220;copia&#8221; ab, das auch &#8220;Überfluss&#8221; bedeutet) für die Demokratisierung von Technologie und Access, der nicht von einem Staat definiert wird, der als Access-Kontrolleur auftritt und bestimmt, was den Menschen zu gefallen hat und ihnen gut tut, also als Zensor. Liang spricht von &#8220;Post-Piracy&#8221;, wenn er untersucht, was Piracy tut (und nicht was Piracy ist) und welche Film-Kultur daraus entsteht. Dabei schaut er sich vor allem die Content-Seite an und zeigt, wie &#8220;Piraten&#8221; zu &#8220;Kuratoren&#8221; und Kritiker werden, wenn sie z. B. nach Kundenwünschen Sammlungen von Filmen zusammenstellen und als neue DVD-Sets &#8220;herausbringen&#8221;. Oder aus raubkopierten Filmen Ausschnitte so zusammenstellen bzw. ein Remake schaffen, dass ein neuer Film entsteht, der den Erwartungen der Zuseher eher entspricht als das Original (Superman 4 fliegt für den Geschmack des indischen Publikums zu wenig und redet zu viel, also hat ein indischer Raubkopierer kurzerhand seinen eigenen Superman-Film auf Superlowbudget gedreht &#8230;). Dabei ist ein Begriff für Liang zentral: Cinephilie &#8211; denn ohne Hingabe an den Film ist so eine Kreativität nicht möglich: ein Aspekt, der im regulären Anti-Piracy-Diskurs nie auftaucht.</p>
<p>Das zweite Event beschäftigte sich mit Fragen des digitalen Publizierens. Das Tangcha-Project hat es sich zum Ziel gesetzt, hoch qualitative digitale Bücher zu veröffentlichen, und zwar vorerst als App für iPad / iPhone, 2012 dann auch für die Android-basierten Geräte. Dabei wird besonderes Augenmerk auf Typografie und Layout gelegt. Die veröffentlichten Bücher sind z. T. nur digital erhältlich, wie das heute vorgestellte Buch von Sheng Yun über Klatsch in der Shanghaier Kulturszene, andere wiederum sind die digitalen Ausgaben von Printausgaben, wie z. B. die chinesische Übersetzung der Biografie von Steve Jobs oder von &#8220;Out of Control&#8221; von Kevin Kelly. (Tangcha gehört zu der Firma, die auch zwei große kollaborative Übersetzungsplattformen betreibt: Yeeyan und Dongxi wang). Dass Apple genauso streng sein kann wie die chinesischen Zensoren, hat das Team bei seiner geplanten fünften Veröffentlichung gemerkt: Der Roman &#8220;Bu er&#8221; (不而“ von Feng Tang (冯唐),  der in China als Print-Publikation nicht veröffentlicht werden darf, hat auch die Apple-Qualitätskontrolle nicht passiert und ist als &#8220;pornografisch&#8221; abgelehnt worden.</p>
<p>Digitale Publikationen wie die von Tangcha können über den App-Store von Apple gekauft werden, sie haben aber keine ISBN-Nummer (die nur &#8220;offizielle&#8221;, staatliche chinesische Verlage erhalten), aber offenbar von der chinesischen Zensur geduldet werden. Eine andere eben gestartete eBook-Initiative, das Projekt Read von Douban 豆瓣 (<a href="http://read.douban.com/">http://read.douban.com</a>) hingegen veröffentlicht nur Werke, die eine ISBN haben.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://yingeli.net/2011/12/1955/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

