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Fabrication, Economic Transformation & China

Am 28. bis 30. September fand am Center for Human-Computer Interaction der Universität Salzburg eine Konferenz zum Thema „Rethinking Technology Innovation – Factories, Fabrication & Design Research“ statt. Ein Panel befasste sich mit „Fabrication, Economic Transformation & China “. Panelists waren Shaowen Bardzell, Terry Cheng, Cindy Lin, Eric Pan, Suzanne Thomas und Special Guest Hu Yong (Peking University, China) . Meine frühere WG-Gefährtin in Shanghai Silvia Lindtner, jetzt Assistant Professor an der University of Michigan, hat mich als Co-Moderatorin eingeladen.

Das Thema:

„Digital fabrication and maker culture more broadly are envisioned as crucial elements in stimulating economic growth, technology innovation & new models of entrepreneurship across diverse regions. To name but a few examples: Barack Obama promotes digital fabrication as carrying the means to bring back “made in America”; the Chinese government is funding the build up of so-called “mass makerspaces” to spurt entrepreneurship and innovation alongside existing manufacturing know-how; Taiwan supports the build of makerspaces and fablabs to further support their aims at building a creative economy that can compete in a geopolitical climate and economy increasingly dominated by China. At the same time, China, and with it the global economy, has recently witnessed another round of turmoil, rooted in part in the slowdown of China’s economy. In this panel, experts will discuss what is at stake as the hopes and visions of the maker movement are confronted with an increasingly unstable economic and political climate in China and worldwide. What is the future of fabrication with China asserting its dominance in global economy and the global maker movement? In which ways could alternative histories and cultures of making in Asia be a model for fabrication in the West? “

Hintergrund für diese Diskussion war u. a. die im Moment von der chinesischen Regierung forcierte Innovationsstrategie, die auf den Begriffen “Maker” 创客 und Entrepreneurship & Kreativität der breiten Massen 大众创业、万众创新 fußt und dem Mangel an Entrepreneur-Geist, Kreativität und Risikobereitschaft in der chinesischen Gesellschaft entgegenzuwirken versucht, aber auch eine Arbeitsplatzbeschaffungsmaßnahme darstellt (das Programm wird in der offiziellen deutschen Übersetzung auch schlicht als „Existenzgründungsprogramm“ bezeichnet). Die sich verschlechternde Wirtschaftslage hat die Regierung dazu gezwungen, „emergierende“ Wirtschafstszweige zu fördern, um Beschäftigung zu sichern. Dazu zählen in erster Linie IT-basierte Industrien (Internet Plus, Cloud Computing und Big Data sind da die Stichworte) – und die Maker-Strategie ist Teil dieser angestrebten Transformation.

Ein Schwerpunkt war der Unterschied zwischen den westlichen (amerikanischen) Makern und den chinesischen 创客. Terry Cheng, der frühere CEO von Foxconn und nun Mentor von Makern in Shenzhen (WeChat-Gruppe Terry & Friends), sieht die asiatischen Maker als stärker profitorientiert: Sie sind Business-Leute, die sich nach einigen Jahren in großen Firmen selbstständig machen und in Konkurrenz zu ihren Ex-Firmen stehen. Seiner Meinung nach gibt es in ganz Asien keine „echten“ Maker, sondern nur Gründer, die einen anderen Background als die westlichen Maker haben, für die Kreativität, „Selbertun“ und der Community-Gedanken im Vordergrund stehen.

Diese Unterscheidung findet sich in gewissen Sinne auch in Taiwan, wo es zwei Begriffe für Maker gibt: 自造者, die Selbst-Macher, die den westlichen Makern näher stehen, und der Mainland-Begriff 创客, der auch den Mainland-Ansatz wiederspiegelt und zwischen denen, wie Shaowen Bardzell beschrieb, ideologische Gegensätze bestehen: Die 创客 sind von der Regierung geförderte „Entrepreneurs“ und Start-up-Gründer, die nach Auffassung der 自造者 den Begriff des Making unterlaufen.

Laut Hu Yong 胡泳 besetzen mehrere Akteure den Begriff des Maker: die (früheren) Shanzhai-Firmen, die weg vom reinen Kopieren gehen und sich upgraden müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, und sich zu Maker-Firmen umstilisieren; IT-Firmen; sowie traditionelle Firmen wie Hai‘er 海尔 (der Weltmarktführer in Sachen Haushaltsgeräte), die die digitale Transformation vorantreiben. Hai‘er fördert innerhalb des Unternehmens Maker-Gruppen (eine Strategie, die die Regierung ebenfalls empfiehlt). Auch hier ist der Begriff aber eher im Sinne von „Gründer“ zu verstehen. Mehrere solcher „Maker“ (von zwei bis ein paar Hundert) schließen sich bei Hai‘er zu „Mikros“ 小微 zusammen, die wie eine Firma in der Firma agieren und ihre eigenen Produkte entwickeln. Teils wird dafür wird auch neues Personal aufgenommen, das dem Maker-Geist näher ist als „traditionelle“ Angestellte, was wiederum einen drastischen Wandel der Organisationsform der Firma bewirkt.

Eric Pan, der Gründer von Seeed Studio, sieht dank der Strategie der Regierung im Moment eine „positive bubble“ entstehen: Die überall aus dem Boden schießenden Mass Makerspaces werden z. T. unbelebt bleiben, könnten aber seiner Meinung nach die Rolle von „Libraries“ übernehmen. Wenn es gelänge, Fabrikscluster mit diesen neuen Makerspaces zu verlinken und so eine Spezialisierung zu erzielen, dann könnte dies Unternehmen und Talente anziehen und eine Balance zwischen der kreativen und der unternehmerischen Seite herstellen.

Thematisiert wurde auch der Gender Gap in der Maker-Szene, wobei Eric Pan eine große Veränderung sieht: In den Makerspaces in Shenzhen sind die Hälfte der Besucher junge Frauen, die aus einem für die Szene noch relativ neuen Umfeld kommen: aus der Design- und Craft-Szene, aber auch Ingenieurinnen sind immer häufiger darunter.

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