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Standards für den “guten” chinesischen Netizen

In der chinesischen Ausgabe von Global Times, 环球时报, wurde am 6. 1. 2014 ein Artikel des Propaganda-Ministeriums der Provinz Anhui veröffentlicht: “Welche Standards für gute chinesische Netizens?” (中国好网民”应有哪些标准 ). Der Artikel beschreibt, welche Verhaltensregeln im Netz zu gelten haben und welche ideologische Haltung erwünscht ist.

Darin heißt es, dass das Jahr 2104 eine saubereres Internet gebracht hätte, das nun mehr “positive Energie” verströmen würde und das chinesische Internet daher in eine Phase des “neuen Normalen” (新常态) eingetreten sei. Damit das auch so bleibt, sollte jeder danach streben, ein guter Netizen zu werden und vier Eigenschaften fördern: Patriotismus, verantwortliches Handeln, soziales Gewissen und Gesetzestreue.

- Gute Netizens sollen Patrioten sein: Es sollten die Widersprüche, Konflikte und Unzulänglichkeiten, die sich im Zuge der Entwicklung der chinesischen Gesellschaft einstellten, nicht “übertrieben”, sondern “positive Energie” (正能量) und “gute Stimmen” verbreitet werden.

- Gute Netizens übernehmen Verantwortung: Die 600+ Millionen chinesischen Netizens (die meisten jung) sollten Verantwortung übernehmen, denn sie seien die aktiven Verbreiter der Mainstream-Wertvorstellungen. Aber da manche nicht genug “vernünftig” seien und es ihnen an Urteilsvermögen mangle, käme es oft zu einer Emotionalisierung und Polarisierung des Netzdiskurses – auch weil es manche Parteifunktionäre, Kulturarbeiter oder Wissenschaftler nicht wagten, unter ihrem Namen für ihre Meinung einzustehen, sodass die vernünftigen Stimmen im Netz oft kein Gehör finden würden. Die junge Netizens müssten die sozialistischen Kernwerte hochhalten, und Vertreter der Partei, Kultur und Theorie sollten so notwendig korrigierend eingreifen, also nicht nur “Five Cent” spielen, sondern den “Daumen rauf” halten und als “freiwillige Five Cent” (自干五) agieren, die ohne Remunerierung die positive Energie in der Gesellschaft verstärken wollen.

- Gute Netizens sollten ein soziales Gewissen haben und niedrigen Tendenzen in der Gesellschaft Einhalt gebieten. In der Vergangenheit hätten manche Netzizens eine satirische, spöttische Haltung zu ihrem Markenzeichen gemacht und Vulgäres als modern angesehen. Dank der Säuberungsaktionen sei aber das chinesische Internet nun weitgehend vom “Smog” befreit. Allerdings sei Pornografisches oder Vulgäres sehr resistent. Ein guter Netizen müsse sich beherrschen, rational denken und eine gesunde, für alle förderliche Ausdrucksweise wählen und sich von allem Niedrigen, Vulgären distanzieren.

- Gute Netizens respektieren die Gesetze, sie schützen aus eigenen Stücken die Ordnung im Internet. Manche hingegen meinen fälschlicherweise, das Internet als virtueller Raum sei ein rechtsfreier Raum. “Nach dem Buchstaben des Gesetzes den Staat führen” (依法治国) gelte nicht nur für das reale Leben, sondern auch für die Netz-Welt. Ein guter Netizen müsse also aktiv die Gesetze und Normen respektieren, die fürs Netz gelten, und nicht nur nicht Gerüchte verbreiten, sondern auch fähig sein, solche als Gerüchte zu erkennen, sie unverzüglich melden und aufstehen, sobald er Ungesetzliches entdeckt. Würde jeder diese “Bottom Line” und das im Internet geltende Gesetz respektieren, dann würde auch dort das “neue Normale” herrschen.

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