freelance translator. freelance project manager, organisator. likes to build bridges.
interested in China, Chinese (digital) culture & new media art, social media, translation & more.

ChinaCultureDesk: Talk #4 zu “Weltbild Wissenschaft”

Unser vierter China 21 Talk des ChinaCultureDesk fand am 10. Dezember in Hollmanns Salon statt. Unsere Gäste – widmete sich folgenden Fragen:

  • Wie unterscheidet sich das Verständnis von Wissenschaft im europäischen bzw. im chinesischen Kontext?
  • Wie positioniert sich China für künftige Herausforderungen im Bereich F&E?
  • Welche Erfahrungen haben österreichische Forschungseinrichtungen im Zuge ihrer Kooperationen gemacht?
  • Was lässt sich aus der kulturellen Grundierung sowie aus den unterschiedlichen Praxis-Erfahrungen konkret ableiten?

Den Abend eröffnet hat Prof. LI Wenchao aus Hannover mit Gedanken über die unterschiedliche Definition und Strukturierung von “Wissenschaft” in China und Europa. Ausgangsthese: “Chinas Zukunft liegt in seiner Vergangenheit”, nämlich im 17. Jahrhundert, als die Auseinandersetzung mit westlichem Wissen begonnen hat. Damals kam es zu einer Dekanonisierung der traditionellen Wissenschaft, einem Infragestellen der Klassiker und damit zu einer Fragmentierung des Wissens. Die nächste Stufe war eine Re-Organisierung der Fragmente und letztlich eine Re-Kanonisierung.

China befindet sich nach wie vor in einer Phase, in der am Neubau des wissenschaftlichen Gebäudes gebaut wird, gleichzeitig setzt eine Sehnsucht nach dem Alten ein (Aufleben des Konfuzianismus, Guoxue usw.) Dieses neue Gebäude besteht aus Fremdem und Eigenem – demgemäß geht es in China laut Li heute um Aneignung und Selbstbehauptung. So gesehen, werden viele (vermeintlich widersprüchliche) Dinge in China ein bisschen verständlicher.

Einsicht am Rande: Weil in China Technik und Wissenschaft nicht getrennt sind, können Chinesen von allen möglichen Dingen behaupten, sie seien nicht 科学。Was uns ja oft sehr absurd vorkommt …

Die weiteren Gäste waren Wolf-Dieter Rausch (Veterinärmedizinische Universität Wien, Präsident Eurasia Pacific Uninet), Peter Schintlmeister (Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, technisch-wirtschaftliche Forschung) und Helmut Spitzl (Office of Science and Technology Austria Beijing, Deputy Director)

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.