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Filmprojekt: Eat & Digest – From Shanzhai to Creation

Die letzten Monate, ja, eigentlich das letzte Jahr, habe ich viel Zeit damit verbracht, mit dem Schweizer Dokumentarfilmer Jürg Neuenschwander am Konzept für einen Film zu arbeiten (und dann Unmengen an Rohmaterial zu übersetzen), der sich mit einem Aspekt der chinesischen Realität beschäftigt, der im Westen immer wieder diskutiert und wofür China scharf kritisiert wird – das Phänomen des Kopierens, das Phänomen des “Shanzhai”. “Eat & Digest. From Shanzhai to Creation” wird der Titel des Films sein, angelehnt an die Wendung 引进消化吸收创新 – eine Umschreibung der Übernahme, Adaptierung und Verbesserung (westlicher) Technologie. Fertig wird der Film im Herbst 2014. http://www.container-tv.com/pgs/08.01.htm

“Shanzhai, die Bergfestung des chinesischen Robin Hood, birgt mehr als Diebesgut und billige Kopien. Shanzhai beruht auf einem grundlegenden Konzept der chinesischen Philosophie: Alles in der chinesischen Welt ist ständig im Wandel, ohne Anfang und ohne Ende. Daher ist für Chinesen unser europäischer Begriff des Originals nicht relevant. Statt Dinge einzufrieren als unantastbares Original, wird verändert, verbessert, angepasst. Shanzhai steht für ‘kontinuierliches Transformieren, für eine Methode der Kreation und Kreativität’ (wie Byung-Chul Han schreibt). Anpassungen existierender Produkte, maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der Zielgruppe, je nach Wunsch, aber immer user-freundlich, kostengünstig und schnell produziert. Das Beste aus aller Welt vereinend, steht Shanzhai für Globalisierung. Shanzhai denkt und handelt gleichzeitig lokal und global. Eine freche Mischung, die Sprengstoff birgt – vor allem wenn die Shanzhai-Produkte besser sind als ihre Vorbilder und dadurch den etablierten Konzernen das Fürchten lehren.”

“Eat & Digest – from Shanzhai to creation” beschreibt drei sehr unterschiedliche Entrepreneurs: Zhou Xioahui, der frühere Panasonic-Ingenieur und Shanzhai-Tüftler, stellt Verstärker allerbester Qualität für empfindliche Ohren her, nach Bauplänen der weltbesten Firmen, realisiert mit Abfall aus den unendlichen Recycling-Tiefen der südchinesischen Elektroschrott-Hochburg Guiyu. Wang Ruilin, der Shanzhai-Pragmatiker und CEO eines Joint-Ventures mit einer Schweizer Futtermittelmaschinenfirma, die er zuerst in allen Einzelheiten studiert, kopiert und adaptiert hat – so sind für den chinesischen Markt maßgeschneiderte Maschinen entstanden. Yu Chuan, der Open-Hardware-Unternehmer, der mit seinem Dronen-Projekt auf Kickstarter extrem erfolgreich ist und sich ganz dem Community-Gedanken, dem Denken des “Open” verschrieben hat – Stichwort Open Hardware, Open Design – und der in der globalen Vernetzung die Entwicklung und Verbreitung neuartiger Hardware beschleunigen und demokratisieren will.

Allein gemeinsam: Der westliche Begriff des Originals ist in ihrem Denken (und dem ihrer Kunden) nicht relevant. Sie haben eine Vision und sind dank ihrer herausragenden Fähigkeiten in der Lage, existierende Lösungen zu “verdauen”, darauf aufbauend innovativ zu sein (re-innovate) und schließlich ein State-of-the-Art-Produkt zu schaffen: 引进消化吸收创新.

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