freelance translator. freelance project manager, organisator. likes to build bridges.
interested in China, Chinese (digital) culture & new media art, social media, translation & more.

China: Ein neuer Plan für die chinesischen Städte (2014 – 2020)

Am 15. 3. 2014 veröffentlichten das Zentralkomitee der KP China und der Staatsrat den Urbanisierungsplan für die Perionde 2014 – 2020. Kernpunkt ist die “menschenzentrierte” und “umweltfreundliche” Urbanisierung des Landes. Außerdem behandelt der Plan Themen wie Informatisierung der Gesellschaft, soziale Kontrolle, Wohnbaustandards, Umweltschutz und Sicherheit.

Urbanisierung wird als Weg zur Modernisierung gesehen, als Motor für ein nachhaltiges, gesundes Wirtschaftswachstum und für gesellschaftlichen Fortschritt. Ein wesentlicher Punkt des Plans betrifft die Eingliederung von Landbewohnern in die Städte, wodurch die Binnennachfrage einen wesentlichen Stimulus erhalten, der Dienstleistungssektor ausgebaut und so das Wachstum garantiert werden soll (Städter konsumieren mehr als Bauern, ist die Annahme dahinter).

1978 lebten 170 Millionen Chinesen in Städten, im Jahr 2013 waren es bereits 730 Millionen Menschen, also 53,7 Prozent der Bevölkerung (verglichen mit 80 Prozent in entwickelten Ländern und 60 Prozent in Entwicklungsländern mit ähnlichem Pro-Kopf-Einkommen wie China). Die Anzahl der größeren Städte (城市) stieg von 193 auf 658, die der kleineren Städte ( 镇) von 2.173 auf 20.113. Allerdings besaßen per Ende 2013 nur 35,7 Prozent der Gesamtbevölkerung einen städtischen Hukou. Nur solche Menschen sind aber rechtlich gesehen Stadtbewohner und kommen in den Genuss von Sozialleistungen wie Krankenversorgung, Sozialversicherung oder erhalten Zugang zu örtlichen Schulen. (Die Tatsache, dass Wanderarbeiter Menschen zweiter Klasse in den Städten sind, sorgt immer wieder für Konflikte und soziale Unruhen.) Der Plan geht davon aus, dass bis 2020 100 Millionen Wanderarbeiter in die Städte ziehen werden. Gleichzeitig sollen 100 Millionen frühere Bauern, die bereits in Städten wohnen, besseren Zugang zu Schulen und Spitälern bekommen, wodurch die Nachfrage nach Infrastruktur enorm steigen würde. Allerdings soll der Zuzug in Richtung kleinerer Städte gelenkt werden. Im Jahr 2020 sollen also 60 Prozent der Chinesen in Städten leben und 45 Prozent vollen Städter-Status genießen.

Der Plan spricht die Rolle, die der Staat bei der Entscheidung, wer vom Land in die Stadt ziehen soll und wo wer leben soll, genauso an wie die Steigerung der Lebensqualität, die u. a. auch durch regierungsseitige Ausgaben ermöglicht werden soll, oder die negativen Auswirkungen der Urbanisierung, den Mangel an öffentlichen Dienstleistungen etc.  Jede Stadt mit mehr als 200.00 Einwohnern soll mit Bahn und Schnellstraße erreichbar sein, während alle Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern ans Hochgeschwindigkeitsbahnnetz angeschlossen sein soll. Außerdem sollen Umweltfragen stärker in den Fokus rücken, in erster Linie Luft- und Wassergüte. “Grüne” Produktion und “grüner” Konsum sollen Mainstream im urbanen Leben werden, Recycling, Energie- und Wassersparmaßnahmen gefördert werden. Außerdem soll die Entwicklung von kleinen und mittleren Städten vorangetrieben werden, was sich positiv auf die Entwicklung auf den Westen des Landes (u. a. Xinjiang) auswirken soll.

Als Leitprinzipien sollen gelten:
- der Mensch im Mittelpunkt, faire Teilhabe
- Neugestaltung der Beziehung zwischen Land und Stadt
- Verbesserung der Planung, effiziente Landnutzung
- Ökolologische Zivilisation, “grün”, C02-Reduktion
- Förderung der Diversität der Kultur
- Korrekte Handhabung der Beziehung zwischen Markt und Regierung
- Ausgewogenheit zwischen Zentralregierung und lokalen Behörden im Planungsprozess

Ziele:
- Anhebung der Urbanisierungsrate und der Qualität der Urbanisierung
- Optimierung der Entwicklung der kleineren Städte
- Stadtentwicklung nach “wissenschaftlichen” Grundsätzen
- Harmonisches Stadtleben
- Ständige Optimierung der städtischen Mechanismen

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.