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Ein “buddhistischer” Roman: 双手合十

Zurzeit lese ich den Roman 双手合十 von Zhao Defa (赵德发). Es ist der erste moderne chinesische Roman, der sich mit dem Überleben des (Chan-)Buddhismus und der klösterlichen buddhistischen Praxis beschäftigt. Der Titel des Romans bezieht sich auf die Geste des Zusammenlegens der Handflächen vor der Brust (im Westen unter dem japanischen Begriff “Gassho” bekannt). Zhao beschreibt darin halb dokumentarisch, halb fiktional das Schicksal eines jungen Mönchs, der an einer buddhistischen Akademie studiert, seine inneren Konflikte, seine Verunsicherung durch seinen Zimmermitbewohner, einen moralisch verkommenen, nur auf Profit bedachten und den Buddhismus als Werkzeug für seine weltlichen Ambitionen betrachtenden “falschen” Mönch. Es geht um den Clash zwischen Tradition und Moderne, zwischen Idealismus und moralischem Verfall, um die Kommerzialisierung der buddhistischen Klöster und die “Verunreinigung” der Praxis, um die Auswirkung der staatlichen Religionspolitik usw.
Zhao, der sich nicht als Buddhist sieht, entwickelte vor Jahre Interesse für den Buddhismus, als er zu einem Vortrag über Kultur in einem Kloster eingeladen wurde. Er begann, buddhistische Literatur zu studieren und lebte vier Jahre lang in den wichtigsten buddhistischen Klöstern Chinas. Ihn trieb vor allem folgende Frage um: Wie schaffen es die Mönche, ihre weltlichen Begierde zu überwinden? Wie wirken sich die gesellschaftlichen Umwälzungen in China auf den Buddhismus aus?

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