freelance translator. freelance project manager, organisator. likes to build bridges.
interested in China, Chinese (digital) culture & new media art, social media, translation & more.

Beijing: National Smart City Innovation Centre

Im April 2014 soll in Beijing im China Millennium Monument Museum of Digital Arts (CMoDA) ein National Smart City Innovation Centre  (国家智慧城市创新中心) in Betrieb gehen, das von der Beijing Gehua Cultural Development Group (北京歌华文化发展集团, der Muttergesellschaft von CMoDA) gemeinsam mit dem chinesischen Wohnbauministerium (住房和城乡建设部) entwickelt wird. Der Chef des Thinktanks des Ministeriums, der mit der Entwicklung dieses Innovation Centre betraut ist, Wang Biyu, hat beim Symposium im Rahmen der Ausstellung “Smart City” der Beijing Design Week im CMoDA die Ausrichtung dieses Zentrums dargelegt.

Seit der Machtübernahme durch Xi Jinping und Li Keqiang (der seine Dissertation über ein urbanistisches Thema geschrieben hat) ist die Frage der Urbanisierung Gegenstand einer Neudefinition, die sich auch im Vokabular widerspiegelt: Es ist nicht mehr die Rede von 城市化(womit in erster Linie das Vorantreiben der Megacities gemeint war), sondern von 城镇化 (was eine ausgewogenere, qualitativer bessere Urbanisierung mit stärkerem Augenmerk auf die mittleren und kleineren Städte nahe legt). Das Konzept der “Smart City” steht jetzt im Mittelpunkt.

Das unter der Ägide des Thinktanks des chinesischen Wohnbauministeriums gemeinsam mit der Beijing Gehua Cultural Development Group entwickelte National Smart City Innovation Centre soll  u. a. Standards und Indikatoren für chinesische “Smart Cities” und deren konkreten Betrieb entwickeln  (es gibt noch keine internationalen Standards, die ISO hat gerade erst die Arbeit daran aufgenommen) und zentrale Anlaufstelle für alle, die mit der Entwicklung von Smart Cities betraut sind, werden.

Im Moment gibt es eine Liste von 202 Städten aller Größen, die als Piloten für die Implementierung einer Smart City in Phase 1 und 2 dienen. Sämtliche relevanten Daten aus den unterschiedlichsten Datenkanälen dieser Städte sollen wie in einem Kontrollzentrum aggregiert werden, wobei laut dem Chef des Thinktanks, Wang Biyu, der Blick über die Städte an sich hinausgehen und die weitere Region einschließen soll, damit umfassende Entwicklungsszenarien erarbeitet werden können. Entgegen anfänglicher Aussagen Wangs sind nun doch die großen Global Player auf dem Gebiet (in erster Linie Microsoft, IBM, Oracle) mit im Boot und liefern die technische Grundlagen. Entsprechende Übereinkommen wurden im April 2013 getroffen.

Dieses Innovation Center orientiert sich an fünf Leitlinien: 1. Intelligente Urbanisierung, bei der jede Stadt ihre eigene Strategie verfolgt; 2. Vier Modernisierungen, Koordination von Stadt und Land; 3. Innovation und Informatisierung; 4. menschengerechte Urbanisierung zum Wohl der Bewohner; 5. die Regierung steuert, die Industrie spielt die Hauptrolle, die Bewohner partizipieren.

Dieses auf Replizierbarkeit ausgerichtete Innovation Center wird vier große Bereiche umfassen: Infrastruktur, Wohnbau, urbanes Management, Industrie + Wirtschaft. Dadurch soll eine Transformation der Industrie erreicht, das soziale Management verbessert, das Lebensniveau der Bürger angehoben und die Umweltsituation und Infrastruktur verbessert werden.

Dieses Centre wird ein Showcase für die jüngsten technischen Entwicklungen und Best Practices sein (auch ausländische Projekte sollen hier präsentiert werden) und richtet sich in erster Linie an Stadtplaner, Stadtverwalter, Experten und Unternehmen. Es sollen Salons und Fortbildungsveranstaltungen abgehalten, über Produkte informiert und Forschung betrieben werden. Durch diese Maßnahmen will man erreichen, dass örtliche Regierungen die Effizienz der Verwaltung steigern und ihr Dienstleistungsangebot verbessern können. Der Industrie soll so der Übergang hin zu einer wissensbasierten Industrie erleichtert werden, mit dem Ziel, dass sie in Zukunft als Lösungs- und Contentanbieter fungieren können.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.