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Selbstzensur für Internet-Berühmtheiten: Sieben Richtlinien

Eine Gruppe von Internet-Berühmtheiten (in erster Linie solche mit einer enormen Anhängerschaft auf Sina Weibo wie Immobilien-Mogul Pan Shiyi) versammelte sich am 10. 8. 2013 im CCTV, um im Rahmen eines “Forums” über die Verantwortung von “Internet-Berühmtheiten” mit dem Chef des Internet Information Office Lu Wei zu diskutieren. Lu präsentierte dabei sieben Selbstzensur-Richtlinien, die gesellschaftlich verantwortungsvolles Handeln im Netz bestimmen und von den Internet-Berühmtheiten respektiert werden sollten.

(Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Auf Sina und Tencent Weibo gibt es zurzeit mehr als 19.000 Mikroblogger mit mehr als 100.000 Followern, 3.300 mit mehr als einer Million und 200 Mikroblogger mit mehr als zehn Millionen Followern.)

Diese Richtlinien setzen gewisse Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen, wenn es

1. um die Diskussion von Gesetzen (“das Netz ist keine virtuelle Welt, in der die Gesetze der realen Welt nicht gelten”),

2. das sozialistische System (“wir essen alle sozialistischen Reis, wir leben ein sozialistisches Leben, wir dürfen uns nicht unser eigenes Grab graben”),

3. Staatsinteressen (“Staatsinteressen stehen über allem, ohne Staat gäbe es nichts, was wir haben”, “wir müssen eine patriotische Internet-Kultur aufbauen”),

4. Bürgerrechte (“das Internet ist eine brandneue Plattform für die Wahrung von Bürgerrechten, die wir gut nutzen müssen”),

5. öffentliche Ordnung (“ein glückliches Leben beruht auf der Einhaltung der öffentlichen Ordnung, und die Internet-Ordnung ist ein wichtiger Teil der öffentlichen Ordnung”),

6. Moral (“moralisches Verhalten ist die geistige Stütze einer Gesellschaft, in einer Zeit der Ich-Medien ist die Einhaltung der Moral besonders wichtig, weil ein Verlust der Moral im Internet massive, negative Auswirkungen auf das reale Leben hat”) und

7. Korrektheit von Tatsachen (“jeder Internet-User muss die Dinge wahrheitsgemäß darstellen, Richtig und Falsch unterscheiden, darf keine Unwahrheiten verbreiten, die Informationen in der virtuellen Welt dürfen nicht virtuell sein”) geht.

Der Kommentar auf Xinhua schlägt vor, dass die Behörden Regeln ausarbeiten, die auf diesen sieben Richtlinien basieren und für alle Internet-User

Global Voices hat eine gute Zusammenfassung der Reaktionen der Netizens: Manche wie z. B. Pan Shiyi kritisieren die Gängelung der User, andere sehen dieses Berühmtheiten-”Forum” als eine neue Form der Vorladung zum “Teetrinken”, andere wiederum machen sehr sarkastisch auf innere Widersprüche aufmerksam. Si Manan, ein nationalistischer Vordenker, sieht darin den Versuch der Regierung, eine “Einheitsfront” mit Intellektuellen aufzubauen.

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