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Anti-Gerüchte-Webseite in Beijing

Die Beijing Internet Association, zu deren Mitgliedern neben Wissenschaftlern und Regierungsvertretern auch einige der mächtigsten IT-Unternehmer zählen, hat gemeinsam mit dem im Mai 2013 gegründeten Beijing Internet Information Office (BIIO) und führenden Internet-Firmen eine Plattform gelauncht, die Gerüchten und Urban Legends den Garaus machen soll (http://py.qianlong.com/). Diese Plattform ist eine Subseite des im Jahr 2000 gegründeten Portals Qianlong, eines Web-Portals, das eng mit staatseigenen Medien verknüpft ist (Beijing Daily, Beijing Radio Station, Beijing TV) und vom Propaganda-Department des Parteikomitees der Stadt Beijing betrieben wird. (Qianlong ist vor einigen Monaten in die Schlagzeilen geraten, weil es ein PR-Unternehmen mit Content-Produktion beauftragt hat, das dann negative Informationen über Firmen publiziert und fürs Offline-Nehmen kassiert hat – der Chef dieser PR-Firma wurde angeklagt).

Im Moment bringt die Seite Informationen über die teilnehmenden Firmen (Sogou.com, Weibo.com, Sohu.com, Netease – 163. com, Baidu.com), verlinkt auf neueste Anti-Gerüchte-Seiten dieser Portale (die schon seit Monaten Anti-Gerüchte-Teams haben müssen), eine Liste mit betrügerischen Webseiten, rechtliche Bestimmungen und Selbstzensur-Anleitungen. Man findet alles von Konsumer-Informationen über Antworten auf populärwissenschaftliche Fragen. Laut Global Times wurden in der ersten Phase, die nun abgeschlossen ist, um die 100.000 kurze Statements über Online-Gerüchte und Phishing-Websites gesammelt sowie Links zu ca. 30 Webseiten, über die Gerüchte etc. gemeldet werden können. Die zweite Phase, die in einem Jahr abgeschlossen sein soll, wird mehr interaktive Programme bringen, um die Bürger noch stärker zu animinieren, Gerüchte zu melden.

Laut Xinhua hat das neue BIIO hat ein breites Aufgabenspektrum: Durchsetzung Internet-bezogener Gesetze und Regulierungen, Supervision und Koordination der verschiedenen Departments, die mit Internet-Kontrolle und der Bekämpfung von Internet-Kriminalität befasst sind, Monitoring von News im Netz, Planung von News-Webseiten und Organisation von Online-Propaganda. Chef ist Tong Liqiang, seit 1978 Mitglied der KPCh und früherer Mitarbeiter des Propagenda-Departments von Beijing.

Dies ist ein weiterer Schritt der Regierung in der Regulierung von Inhalten im Netz. Gerüchte werden als wesentlicher Faktor angesehen, der die soziale Stabilität untergraben kann. Vor allem Microblogging-Plattformen haben bereits 2012 begonnen, Teams und Beratergruppen aufzustellen, um Meldungen zu prüfen und gegebenenfalls vom Netz zu nehmen. Sina Weibo zum Beispiel hat Community-Regeln und ein ausgeklügeltes mehrstufiges System des Reportings entwickelt. In ihrem jüngsten Bericht zum Status von New Media (Juni 2013) schreibt die Chinese Academy of Social Sciences, dass ein Drittel von 100 untersuchten “Hot Topics”  auf Sina Weibo, die oft Verfehlungen von Beamten offenbaren, erfunden waren (und damit als Gerüchte eingestuft werden).

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