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Open Media Lab Hangzhou

Am 27. und 28. September 2011 waren Horst Hörtner, der Leiter des Ars Electronica Futurelab, und ich eingeladen, das Open Media Lab zu besuchen, das Teil der  School of Intermedia Art (SIMA) an der China Academy of Arts in Hangzhou ist. Horst hat einen extrem gut besuchten Vortrag gehalten und das Ars Electronica Futurelab mit seinen verschiedenen Schwerpunkten präsentiert.

Ma Na, Horst Hörtner und Yao Dajuin

Ma Na (Dolmetscherin), Horst Hörtner und Yao Dajuin

Die School of Intermedia Art ist aus den früheren Departments für New Media Art, Mixed Media Art und Curatorship hervorgegangen. Der neu bestellte Leiter der SIMA ist Gao Shiming, der davor die Abteilung Curatorship geleitet hat. Seine Bestellung zum Leiter ist auch ein Zeichen dafür, dass die SIMA einen stark kuratorischen und kulturtheoretischen Ansatz verfolgt. Teil der SIMA ist das “Open Media Lab”, das sich vor allem mit Social Media, virtuellen Welten (der Leiter, Shen Ligong, ist ein bekannter Second-Life-Künstler) und audiovisueller Integration beschäftigt und sich abseits der klassischen Präsentationsformen in Galerien oder Museen bewegt und sich in den Social-Media-Space verlagert. Eines der Events, das vom Open Media Lab gestaltet wurde, war  ”声纳 SONART – Media Social”, das für die Integration von “Sonar” und “Art” steht, womit das Aussenden von Impulsen und das Empfangen der reflektierten Echos gemeint ist (April 2011, siehe den Artikel im LEAP Magazine: http://leapleapleap.com/2011/06/media-social-sonart-open-media-lab/).

Brainstorming-Bereich des Open Media Lab

Teil der Strategie der SIMA ist auch eine Öffnung nach außen und eine Kooperation mit internationalen Institutionen. Bislang sind die Studenten an Kunstakademien aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, aber auch aufgrund der Strukturen der Institutionen noch immer weitgehend von der aktiven Teilnahme am internationalen Geschehen abgeschnitten, sieht man von bilateralen Events und Workshops ausländischer Künstler in China ab.

In diesem Kontext ist auch der Besuch von Yao Dajuin bei Ars Electronica 2011 zu sehen, wo er (eigentlich gemeinsam mit Shen Ligong, der aber sein Österreich-Visum nicht rechtzeitig bekommen hat) das Open Media Lab im Rahmen der Programmlinie “Scenes & Structures” präsentiert hat (siehe http://www.aec.at/origin/en/2011/05/17/scenes-structures/). Gemeinsam mit dem künstlerischen Leiter der Ars Electronica, Gerfried Stocker, wurden erste Schritte einer Zusammenarbeit skizziert: Es wird überlegt, ein Workshop des Futurelab in Hangzhou abzuhalten; ich werde Workshops in Hangzhou machen, um den Studenten die Teilnahme am Prix Ars Electronica zu erklären und ihnen zu vermitteln, wie wichtig es ist, sich an internationalen Wettbewerben zu beteiligen und diese Teilnahme auch zu trainieren;  Yao Dajuin wird  Juror beim Prix Ars Electronica sein, und wir werden versuchen, eine kleine Gruppe chinesischer Studenten mit guten Englisch-Kenntnissen finden, die als Teil ihrer Ausbildung die zentralen Teile der Webseite von Ars Electronica ins Chinesische übersetzen.

Beim Besuch der SIMA und bei den Gesprächen mit Lehrenden standen Überlegungen hinsichtlich der  Form und des Inhalts eines möglichen Workshops im Frühjahr 2012 im Vordergrund.

Klar ist, dass teilnehmende Studenten durch eine strenges Auswahlverfahren selektiert werden müssen, um Qualität zu garantieren, denn das Niveau der Studierenden an der SIMA und auch im Open Media Lab ist äußerst unterschiedlich (und stimmt einen nicht unbedingt sehr optimistisch), was auch auf das chinesische Universitätssystem zurückzuführen ist: Nach wie vor müssen Studenten, die sich für Medienkunst interessieren, ein Jahr Ausbildung mit klassischen Techniken wie Ölmalerei verbringen, was als relative Zeitvergeudung angesehen wird. Außerdem hat sich in den letzten Jahren die Zusammensetzung der Studierenden an den Kunstakademien gewandelt: Waren sie früher Elite-Ausbildungsstätten, sind Kunststudien in jüngster Zeit teils auch zu einem “Modestudium” verkommen bzw. melden sich Studenten an, die bei anderen Universitäten die sehr strenge Aufnahmeprüfung nicht bestanden haben. Dazu kommt, dass der (nicht von allen Betroffenen wirklich begrüßte) interne Umstrukturierungsprozess noch immer seine Nachwirkungen hat und Akademie-interne Faktoren berücksichtigt werden müssen.

Eine Schwierigkeit stellen die ungenügenden Sprachkenntnisse der Studenten dar: Die wenigsten sprechen so gut Englisch, dass die Abhaltung eines Workshops ohne Dolmetschung möglich scheint. Daher ist eine sehr gute, langfristige Vorbereitung eines inhaltlich klar definierten Projektes unumgänglich. Verschiedene Formate wurden erwägt, verworfen, umgemodelt … ein “ideales” Format hat sich noch nicht herauskristallisiert, auch die inhaltliche Ausrichtung muss noch  definiert werden.

In den nächsten Wochen muss ein Nachdenken über diese Rahmenbedingungen folgen, erst dann wird eine Entscheidung über die konkreten Schritte der Zusammenarbeit möglich sein.

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